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Der Jugendbund · 1926-09-09 · 16 (9.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
16 (9.9.1926)
Date
1926-09-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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1 Bücherschau Kuttner: „Jüdische Sagen und Legenden für jung und alt", 6. Bändchen, J.-Kauffmann-Verlag, Frankfurt a. M., 1*26. Gebunden 2 Mark. Als Abschluß seiner bekannten Sammlungen, deren fünf erste Bändchen auch in einem Sammelband erschienen sind, bringt der Herausgeber aus dem fast unübersehbarer! Schatze jüdischer Erzählungen, Sagen, Legenden, Parabeln und Märchen wieder eine Anzahl der schönsten in einer sprachlich und sachlich angemessenen Form. Angefügt sind einige Parabeln (Meschalim) aus dem Erbauungsbuche Simchas hannefesch, welche durch ihre Gleichnisrede und durch ihre Lehre auf Nachdenken und Lebensgestaltung hinwirken. Auch dieses Bändchen wird wie die früheren unsere Jugend einführen in die religiöse Dcnkungsart unseYer Vorfahren und ihr ein Bild geben von ihrer „Lust zu Fabulieren", die von keinem ■Volke übertroffen wird. Das Büchlein wird vielen unserer Jüngsten Freude bereiten. „Zedakah", Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin, August 1926. Das Heft enthält hauptsächlich die Referate und Verhandlungsberichte der Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle vom 6. bis 8. Juni 1926 in Düsseldorf. Die Notwendigkeit der Einführung unserer Jugend in die sozialen Probleme und der aktiven Teilnahme an der Wohlfahrtspflege drängt sich uns immer unabweisbarer auf. Aus diesem Grunde ist die Lektüre dieses Heftchens allen unseren Freunden dringend zu empfehlen. Alle Probleme der Wohlfahrtspflege, die uns in der heutigen Zeit beschäftigen, werden eindringlich behandelt. Besonders tollten die Referate, welche die jüdische Jugend betreffen, in unseren Heimabenden studiert und besprochen werden. — Aus seiner großen Erfahrung heraus referiert Obermagistratsrat Dr. Friedrich Ollendorf vom Landeswohlfahrts- und Jugendamt Berlin über „Jüdische Jugendnot und Jugendhilfe". Wir zitieren aus seinen Ausführungen kurz nur folgendes, was uns anspornen sollte, in unserer Arbeit noch eifriger zu sein als bisher: „Wohl steht ein Teil der Jugendlichen, aber doch nur eid verhältnismäßig kleiner Teil, in der Jugendbewegung und in den Jugend vereinen; bei weitem der größte Teil der männlichen und weiblichen schulentlassenen Jugendlichen wächst in den entscheidenden Jahren von 14 bis 21 ohne segensvolle haltende Bindungen auf, ohne Verständnis für seine Art, seine Entwicklung und Nöte zu finden, angewiesen auf den Kreis in gleicher Not befindlicher Genossen und damit auf gemeinsame Vergnügungen, von denen der Sport noch sicherlich die bei weitem beste ist. Es kann nicht anders sein, als daß hier die Anlagen zu den vielen Tausenden von oberflächlichen Männern und Frauen, Vätern und Müttern gelegt werden, die eine so große Zahl der jüngeren Generation bilden." — Als bedeutungsvollste Forderung stellt er auf: „Helft der Jugendbewegung, helft ihr in viel höherem Maße, als das bisher geschehen ist." Unseren Jugendvereinen weist er als besondere Arbeit vor' allen Dingen die Schaffung von Jugend- und Volkshäusern zu, eine Aufgabe, die sicherlich dringend notwendig ist, aber natürlich für uns nicht als die letzte gelten kann. Als Korreferentin beschäftigt sich Hilde Ottenheimer insbesondere mit der. Kinder- und Jugendhilfe, wobei sie u. a. als Forderung Belebung der Jugendvereine und Errichtung von Jugendberatungsstellen und Jugendheimen -aufstellt. Wir wollen hoffen, daß es nicht bei Forderungen bleibt, sondern .daß man zu Taten schreitet. — Georg Lubinski, Berlin, beschäftigt sich in einem Referat über das soziale Programm der jüdischen Jugend mit dem Werte sozialer Arbeit für die jüdische Jugendbewegung. Die Jugendbewegung hat die Sozialpädagogik, den Kern aller Wohlfahrtspflege, bei sich zum ersten Male verwirklicht. Sie hat erkannt, daß die wirksamen Kräfte, die zur Erziehung von Menschen führen, nicht so sehr die Kräfte des Verstandes sind, sondern die pädagogische Athmosphäre, die in den Gruppen der Jugendbewegung herrscht, der eigentliche erzieherische Faktor ist. Es gilt, diese Kräfte der Gemeinschaftserziehung auch für die Wohlfahrtspflege und insbesondere für das Erziehungswesen der Wohlfahrtspflege, nutzbar za machen. Als praktische Möglichkeiten wohlfahrtspflegerischer Betätigung für die Jugend bezeichnet er Fahrten zum Besuch von Anstalten und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, Sorge für hilfsbedürftige Kinder, Hilfe bei Kinderpflege und im Haushalt, Stellang von Hilfsmannschaften für den Transport von Lebensmitteln, Betreuung tob Blinden und Gelähmten, Beteiligung an Sammlungen, Herstelking von Puppen und* Spierzeug, Mitarbeit — 13 in Anstalten, an der Fürsorge für erwerbslose Jugendliche, an der Jugendgerichtshilfe, Aufnahme von gefährdeten Jugend» liehen, Beteiligung am Kampf gegen Schund und Schmutz sowie bei Buchausstellungen, Jugend- und Volksabenden, Puppen* spielen, Märchenstunden für Kinder. - Obige Angaben bilden nur Ausschnitte aus der Fülle dessen, was dieses Heft uns an Anregungen zu bieten vermag. Wir empfehlen jedem Verein, sich mit dem Inhalt möglichst vertraut zu machen. „Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes", Kalender für das Jahr 5687. Es gibt wohl kaum ein besseres Mittel, unvermerkt in jüdisches Leben hineinzuführen, als die Betrachtung des jüdischen Jahres. Mit der Herausgabe dieses Kalenders, der auf jeder Seite nicht nur gutausgewählte Zitate aus alter und neuer jüdischer Literatur, sondern auch eine große'Zahl guter Bilder aus dem jüdischen Leben bringt, hat sich der Frauenbund ein großes Verdienst erworben. Der Hauptzweck,, für die Aufgaben des Jüdischen Frauenbundes Verständnis zu erwecken, wird dadurch erreicht, daß in glücklicher Weise Bilder jüdischer Künstler und Ansichten aus jüdischem Leben verbunden sind mit Photographien aus den Anstalten des Jüdischen Frauenbundes. „Rheinische Jugend", Monatsschrift für rheinische Jugend, Heimat und Wohlfahrtspflege. Mitteilungen des Bezirksausschusses für Jugendpflege im Regierungsbezirk Düsseldorf. September 1926. I Vorliegende Nummer der ausgezeichneten Zeitschrift ist für die Jugend und das Volksspiel gewidmet. Immer mehr beschäftigen sich auch unsere Vereine mit dem Gedanken des Laienspiels, das uns zwingt, unsere eigene Seele und die des Zuhörers kennen zu lernen. Ein grundlegender Aufsatz führt uns in den Sinn des künstlerischen Laienspiels ein, die Richtlinien für das Laienspiel, welche das Reichsministerium des Innern aufgestellt hat, werden vollständig veröffentlicht. Ein Aufsatz über „Künstler-Marionettenspiele im Dienste der Jugendpflege" mit charakteristischen Abbildungen gibt wertvolle Anregungen, während die Ausführungen Bruno Zwieners über „Die neuen Schattenspiele" uns die Wege weisen, wie wir unsere Jüngsten zum lebendigen Ausdruck ihres Gestaltungstricbes bringen können. Ein Verzeichnis von Märchen und Hans-Sachs-Spielen wird vielen unserer Freunde willkommen sein. „Der Fährmann", Monatsblätter für Jugendpflege und Jugendbewegung im Regierungsbezirk Wiesbaden. Herausgegeben von August Möller, Frankfurt a. M., Juli 1926. Das vorliegende Heft ist eine Denkschrift, betreffend die Bemühungen von Gruppen der Frankfurter Jugendbewegung um Errichtung eines Hauses der Jugend. In dem Bericht über das Fest der Frankfurter Jugend, das am 27. Juni im Stadion gefeiert wurde, wird davon gesprochen, daß in der nach Tausenden zählenden Festschar Jugendliche jeglichen Alters, jeden Standes, jeglicher Farbe, jeglicher Weltanschauung, jeglicher Konfessionalität vertreten gewesen seien, Wir finden aber unter den Verbänden, die im Verein „Haus der Jugend" zusammengekommen sind, die jüdischen Gruppen Frankfurts nicht aufgeführt. — Wir benutzen diese Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, daß unsere Gruppen sich von der Arbeit der allgemeinen Jugend nicht ausschließen dürfen. Der Verband weiß aus seiner Mitarbeit im Ausschuß der deutschen Jugend^ verbände das Werfvolle wohl zu schätzen, das diese Zusammenarbeit ergibt. Wir haben die Pflicht, sowohl an den Arbeiten der deutschen Jugend teilzunehmen, als auch aufklärend zu wirken über, die Eigenart jüdischer Jugend. Esj würde dann nicht vorkommen, daß in demselben Heft in einem Aufsatz über Jugendbewegung in Hessen und Nassau, in welchem unter den Jugendgruppen sogenannter bürgerlicher Herkunft zwei jüdische Gruppen aufgezählt werden, gesagt wird: „Allen gemeinsam ist der Brauch, in der Johannisnacht die Sommersonnenwende in der freien Natur an einem lohenden Holzstoß zu begehen ... Mit Jugendbewegung absolut unvereinbar sind üble Trinksitten und ünkeusche Handlungen. Die Gruppen ermöglichen und bewahren sich diese Ideale durch eine strenge Auslese bei der Mitgliederaufnahme, längere probeweise Mitgliedschaft ist die Regel." Wenn wir auch wissen, daß diese Behauptungen in ihrer Verallgemeinerung auch auf dis übrigen genannten Gruppen nicht zutreffen, so müßte doch vor alles Dingen der erst« Teil auf unser« Gruppen anzuwenden unmöglich sein.

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