Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 10 (17.6.1926)
- Date
- 1926-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Karotis, der Gehässigkeit und des neidischen Mißtrauens gegen den Führer, bringt das Volk zum Abfall. Er ist die überzeitliche Wurzel des Uebels. Und doch, nie Ist das Schlechte nur metaphysische Blindheit gegen das Gute! Nicht die Kraft, sondern der blinde Stoff, der doch von der Kraft des Guten aufgesogen wird. Wenn ein moderner halbjüdischer Dichter der Dichter mit der lachenden Träne im Wappen genannt wird, so möchte ich unsere Propheten die Männer mit der Träne der Hoffnung im Auge nennen. Und diese Träne ist ein Himmelslau, der in den Mallen der Metaphysik und im Wcllhaushalt der Sittlichkeit dem Sünder und der Sünde gereicht wird. Die Opfer- | plannen der Empörer, die aber auch am Göttlichen gerungen haben, schmiegen sich um den Gottesaltar. Und die Sprößlinge des Korachidenstammes sind nicht gestorben. Sie jubeln, und schluchzen in den Psalmen zu neuen Hymnen auf, sie wandeln der Väter nächtliche Taten im' rosigen Lichte des Morgens zu Segen um. Und ihr! Ihr ewigen Jungen, schlürft mit der .'e, was die Väter euch gesungen.- Lernt! Lernt kraflw.-, Ringen und Streben in milde Gesetzlichkeit wandeNh, wen!« I williges Glied in der unendlichen Kette der CeiMrd <~<i-!es! Werdet! Wachset! Unser Judentum < Von Bez.-Rabbiner D r. Viele Leiden wollen den Menschen zum Vorbild durch seine Geduld und Ergebung machen, sie zeichnen ihn nicht als Sünder, sondern zeichnen ihn aus als Gotterwählten. (Jes 53.) Leiden haben auch den Zweck, den andern Menschen Gelegenheitzur Liebe zu geben und dadurch dem kommenden Gottesreich der Güte und Hingabe zu dienen. Die Tatsache, daß es auf Erden dem Frommen oft schlecht und dem Frevler oft gut geht, weist auf eine V/elt jenseits des Grabe; hin, wo Gott einen Ausgleich zwischen Tugend und Lohn und Frevel und Strafe anbahnt. — Unsterblichkeit. Von der Lfnslcrblic!ikeit heißt es im Hiobbuchc (19, 27): „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und wenn mein Fleisch dahin ist, schaue ich Gott"; (Hi. 19, 25); von ihr singt der Psalmist: „Ich aber durch Gerechtigkeit werde dein Antlitz schauen, sättige mich beim Erwachen an deinem Anblick" (Ps. 17; 15); oder: „Du überlassest meine Seele nicht der Gruft! Gib deine Frommen nicht hin der Verwesung. Du tust mir kund den Pfad des Lebens, der Freuden Fülle ist vor deinem Angesicht Seligkeit in deiner Rechten immerdar." (Ps. 16, 10.) Und in Kohelcth 12, 17 heißt es: „Der Staub kehrt zur Erde zurück, w|e er gewesen, der Geist aber kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.'1 In dieser Geisteswclt vollendet sich dann unser sittliches Streben,' das hier auf Erden nur Stückwerk bleibt. Doch nur v/er hier schon wie in einer Vorhalle sich bereitet auf das ewige Leben, wird es in der Gemeinschaft mit Gott erlangen und in seinen Himmelspalast aufgenommen. Die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes (Thcodicee) ist der Inhalt vieler Propheten- und Psalmenworte und vor allem Mittelpunkt im Buche Hiob. Als Baumeister der sittlichen Welt hat Gott die Gerechtigkeit zur Grundsäulc der gesamten Schöpfung gemacht. Es Kann keine sittliche Wcltcrdnung geben ohne jene vergeltende Gerechtigkeit, die alles Böse ahndet und das Gute 'lohnt. Wenn es nun im Zehnwort heißt: „Gott ahndet die Schuld der Vä'er an den Kindern", so ist auf die Erfahrung hingewiesen, die auch der deutsche Dichter ausspricht: „Das eben ist der -h der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären." Und wirklich sehen wir, daß Väter und Mütter, die durch Ausschweifungen ihre Gesundheit untergraben, auch kranke Kinder haben, so daß auch in Rücksicht auf die Nachkommen die Mahnung gilt: Führt einen reinen gottgefälligen Wandel (Vererbung). Aufgabe der Erziehung wie der Selbsterziehung ist es, durch planmäßige^ .Stärkung des freien Willens den Menschen für das Gute geeignet zu machen. In der Fähigkeit des Menschen, das Gute zu wollen, 'iegt eine ganz besondere Gnadengabe Gottes an ihn, aber auch die heilige Pflicht, diesen freien Willen nicht zu mißbrauchen, sondern ihn immer mehr zum Dienste Gottes auszubilden. Je mehr der Mensch sich im Güten übt, um so leichter wird es ihm, darin Meister zu werqen. „Eine Edellat zieht die andre nach sich" (Abot) und das gute Vorbild bringt Segen und weckt Nacheiterung." So erweist „Gott Liebe bis in die fernen Geschlechter denen, die ihn lieben und seine Gebote halten", so wirkt das Andenken der Gerechten Segen (sechus owos, die vorbildliche Frömmigkeit der Väter). Doch geheimnisvoll sind des Ewigen Wege und keiner kann sie ergründen. Wie aber Sokrates von einem Buche eines tiefen Weisen gesagt hat, was er davon verslanden, ist vortrefflich, so wird auch, was er nicht davon verstanden habe, nicht minder herrlich sein, das müssen wir auch vom Walten des Ewigen Bcermann, Heilbrunn. sagen, und in Demut bekennen wir vor seiner unergründlichen Weisheit, was Salomo ibn G&birol in seiner Kör.igskrcnc si/igt: „Du bist weise, und die Weisheit des Lebensquells von dir strömt sie her, Und gegen deine Weisheit ist der Mensch an Einsicht ieer. Du bist weise, früher als aller Beginn, Und die Weisheit von je deine Pflcglir.gin. 7t Du bist weire und sqH'.fst aus deiner Weisheit die Welt, Wie der Künstler, was ihm gefällt." ' Oder schließen wir mit einem Auespruche eines r 'n Dichters diesen Abschnitt: „Was Gott ist, wird kein Mensch ergründen. Doch will er treu sich stets mit uns verbinden!" Bezeichnend für die aufs Sittliche gerichtete Art des .bischer. Goltesbewußtseins ist es, daß unter den sogenannten 13 Eigenschaften Gottes, wie die alte Schriftdeutung sie ilx. 34, 6—7, fand, sich nur sittliche Begriffe finden, als ob nur das für den Menschen Werte hat, was Gott für ihn sein will, und sonstige Träumereien über das Wesen Gottes zwecklos seien; die Stelle lautet: „Der Ewige, der Ewige, ist ein Gott; barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue, er bewahrt Cnade bis ins tausendste Geschlecht, ve-.-ei'iet Missetat, Vergehen und Fehler, doch läßt er nicht f ■ mgestraft." IL Der Mensch als Ziel des Guten. 1. Der Mensch ist Ebenbild Gottes. In ihm licjjt die Sehnsucht nach dem Guten. So ist er vcrwandt_mit Gott. Dem Leibe nach ist er dem Staube snt.tammt, doch nach seinem Geiste ist er ein Kind Gottes. (Vgl. Gen. 2, 7.) So lehrt R. Abika: „Geliebt ist der Mensch, denn er ist nach Gottes Ebenbild geschaffen." Besondere Liebe w^r's, das ihm dies zum Bewußtsein gekommen ist. In seinem Gewissen hat er seinen Adelsbrief: „Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gölte." (D. 14, 1.) Das Ziel der Menschheitsgeschichte ist Sieg und Verwirklichung des Guten. Mag sein, daß der Mensch allmählich sich aus tierischer Rohheit hat mühsam zur Kultur und Sittlichkeit emporringen müssen. Der Weg ist vom Tiermenscheri zum Gottmcnschen7 danach hat ein jeder zu sireben im Sinne des Dichlerworles: „Vor jedem steht ein Bild des, was er werden soll. Solang er das nicht ist, ist nicht der Friede voll" und gemäß der alten Weisung: „Der Mensch soll stets das Maß an sich lc^en, als ob der Heiliga in seinem Innern wohnta und sich gleichsam für zu gut halten, um tierisch und gemein zu werden." Diese Doppclnatur des Menschen ist knapp und klar im 8. Psalm ausgesprochen: „Was itt der Mensch, daß du seiner bedenkest, Der Erdensohn, daß du seiner dich annimmst? Du hast ihn wenig nur den göttlichen Wesen nachge l-U!, Mit Ehre und Wurde ihn gekrönt. Du hast ihn über deiner Hände Werk zum Herrscher eingesetzt, alles ihm zu Füßen gelegt." . So ist der Mensch Statthalter Gottes auf Erden. Hier auf Erden soll er das Gottesreich herbeiführen. In seiner eigenen Brust aber soll er Gottes Wissen über alle bösen Triebe zur Herrschaft bringen. Darin liegt der unendliche Wert jeder einzelnen Mcnschcnseele, schön sagt eine alle Ucherliefcrung: „Ein jeder kann im Hinblick darauf, daß Gott nur einen Menschen geschaffen hat, saj-cn: mir zuliebe ist die ganze Welt geschaffen. Ein einziges_Menschenleben retten, heißt soviel wie eine ganze Welt retten; ein einziges Menschenleben verderben, heißt soviel wie eine ganze Welt verderben." 13 -