Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9 (3.6.1926)
- Date
- 1926-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BEH ^-i UND ORGAN DES BEZIRKS VERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKS VERB ANDES JÜDISCHER JUGEND VEREINE Sdiriflleliung: Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Haroldstrafee 4 / Fernruf Nr. 7390 / Drudt und Verlag: A. Gerlsdi £ Co., G. m. b. H., Dusseldorf, Wallstrafce 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschfifllidier Art an Dr. Klein. Düsseldorf / Anzeigenpreis: 0.t5 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zeile / Bezugspreis: 15 Pfennig monatlich einschließlich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schriftleitung oder den Vereinen / Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DÜSSELDORF, DEN 3. JUNI 19 26 Nummer 9 Infolge der Abwick elung der Delsgiertentagung des Verbandes ist es uns h< in der" Hälfte des üblichen Umfanges erscheinen zu tute nur möglich, unsere Zeitung lassen. Die Schriftleitung. Bemerkungen zu „Deutschtum oder Judentum pell, Düren: U Hans Ca Wir bringen in folgendem eine Entgegnung eines •ansrer Verbandsfreunde auf den Leitartikel der vorigen Bezirksausgabc. Dtc Schriftlcitung. t Wieder hat man versucht, das Problem „Deutschtum oder Judentum" in neuer Gestalt zu zeigen. Das Problem aufrollen, heißt die Frage nach unsrer Volkszugehörigkeit stellen und nichts sonst. Denn legte man dem Begriff Judentum das rcligionsmäßige Bekenntnis zugrunde, dann wä>e die Gegenüberstellung unmöglich, da Volk und Religion keine Widersprüche in sich sind, die ein Entweder—Oder verlangen. Geben wir der Frage aber den obenerwähnten Sinn, dann gewinnt sie ein andres Aussehen und dann — und nur daiin — kommt man nicht zu der absurden und durch nichts belegten Behauptung, der Streit zwirchen den jüdischen Parteien sei „tatsächlich" unsinnig. II. Immer hat es ein Ringen um die Seele des jüdischen Menschen gegeben und immer war Uns Partei mehr als seelentosar Mechanismus. Doch datl der Parteiführer Mensrhen seinen Gegnern zuführen soll, bedeutet innere Unwahrhafligkeit. Die Idee fördert den Meuchen. Wer von ihr erfaßt ist und von ihrer ethischen Forderung überzeugt ist, hat im Namen dieser ethischen Forderung das Recht, Menschen zu werben, Menschen der Idee zuzuführen. Und er ist ein schlechter Verkünder dieses Gedankens, wenn er nicht alles daransetzt, seiner Ueberzeugung zum Siege zu verhelfen. UL ■ I ' In das Gebiet der Pädagogik reicht di^ Frage hinein, ob der Führer die ihm anvertrauten Menschen entscheidend beeinflussen darf oder etwa soll. Ich verweise nur auf Friedr. Wilh. Förster, der in seinem Buche „Erziehung und Selbsterziehung" darlegt, wie richtige Erziehung nur dann von Erfolg gekrönt ist. wenn sie im Sinne einer Idee verläuft. Erst die konkrete Zielvorstcllung, nach der der Erzieher seine „Zöglinge" zu bilden bestrebt ist, verleiht der Erziehungsarbeit kontinuierlichen Charakter. Erziehung ist also immer — wenn sie gut sein soll — Verbiegung, entscheidende Beeinflussung im Sinne des Kr;;chers. IV. Wir denken zu sehr in Analogien. Liberale Partei — im jüdischen Leben — verführt zu der Vorstellung von der liberalen Partei des deutschen Parteilebens der wilhelminischen Epoche. Während Partei von heute Klassenvertretung, Interessenvertretung — siehe Wirlschaftspartei des Mittelstandes — bedeutet, heißt Partei im jüdischen Sinne Vorstellung vom jüdischen Leben, wie es sein soll. Auf dem Boden einer Weltanschauung stehen, heißt nicht einheitliches Schauen der Welt, das heißt e i n Weltbild haben. Weltanschauung ist im letzten Grunde nicht an Realitäten gebunden. Sie wird sogar meistens geschöpft aus dem innersten Wunsch des Menschen, die Welt zu gestalten. In diesem Wunsche können sich Menschen finden, Parteien bilden und ihrem Gestaltungswillen einen Anhang zu verschaffen suchen. So ist die Einheit in der Forderung etwas rein Gedachtes, Willensmäßiges. Die Einheit der deutschen Juden ist eine solche Forderung. Daraus, daß sie nicht besteht, zu schließen, sie würde auch nie bestehen, ist daher abzuweiesen. Wenn wir also einmal wieder auch die Frage nach dem jüdischen oder deutschen Milien stellen dann wäre, wenn wir den ganzen Juden wünschen, das jüdische Milieu diesem Gcstallungswillen adäquat. Jetzt aber muß. man einen Schritt weitergehen, jüdische Fragen nicht bei den schwarzrotgoldenen Grenzpfählen abbrechen, sondern sie aus dem Willen zur jüdischen Einheit als allwcltlichesProblem auffassen. Es ist aber nicht unrse Aufgabe, Probleme aufzuweisen, sondern sie zu lösen Palästina gibt für einen'Teil der Juden die Lösung dieser Frage. Das jüdische Milieu gibt seinen jüdischen und menschlichen Kräften, weil sie sich ungehindert entfalten können, die höchsten Er.twicklungsmöglichkeiten. 'Es ist das Milieu, „das ihm höchste Entfaltung und damit Erfüllung gewährt". \ V. Weltbild ist „Spiegelung der Welt im Menschen", Dies« Spiegelung ist je nach der Art und dem Grad der Spiegelung», fähigkeit individuell. Darin gibt es nichts Gemeinsames. -V-er Verwechslung von Weltbild und Weltanschauung soll, man sich hüten. Das führt zu solchen Auslassungen, wie man sie in dem Artikel „Deutschtum oder Judentum?" findet. Eure Kinder werde ich in das Land bringen Eine Betrachtung zum WochenabschniU Sch'lach l'cho. Von Willy Salingcr, Düsseldorf. Ein Wüste. Jahr wandert das- Volk Israel nun schon durch die In dieser einjährigen Wüstenwanderung hat es sich rehnmal gegen Moses aufgelehnt: Zweimal am Meere, zweimal aus Wassermangel, zweimal beim Manna, zweimal bei den Wachteln, einmal beim goldnen Kalb und einmal bei den Kundschaftern. Im heutigen Wochenabschnitt lagert das Volk in der Wüste Paran. ,Es steht nahe am Ziele, in das Land seiner Sehnsucht, in das Land, in dem Milch und Honig fließt, einzuziehen. Als Wegevorbercitcr sendet Moses Kundschafter aus. Aber diese Kundschafter werden dem Volke zum Verhängnis. Es lehn! sieh zum zehnten Male gegen seinen Führer auf, und zur Strafe darf es nicht in das gelobte Land. Ist mit der Verweigerung Zur gerl. BeachtungI Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an: Düsseldorf, Hachenburg i. W., Hamm a. d. Sieg, Köln, Duisburg, Gelsenkirchen, Hamborn, Recklinghausen, Wattenscheid. - I - /