Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 6 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^Vöttiek <j. ÄsSääs^ DER JUGENDB Organ des Bezirksverbandes Jüdischer Jugendvereine Westdeutschlands und des Rheinisch-Westfälischen Bezirksverbandes Jüdischer Jugendvereine JÜDISCH DLÜTTCD Ausgabe für den Verband der iüdi^men Jugenduerelne Deuisditands Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zeile / Bestellungen nur bei der Schriftleitung oder den Vereinen / Druck und Verlag: A. Gerisch £ Co.. G. m. b. K. Düsseldorf. Wallstralse 10 Alle Einsendungen redakt. u. gesch&fll. Art an Dr. Klein. Düsseldorf / Schriflleitung: Rabbiner Dr. Klein. Dasseldorf, Haroldstrase 4 Fernruf Nr. 7390 2. JAHRGANG / Nr. 6 de« Jugendbundei Düsseldorf, den 22. April 1926 13. JAHRGANG / Nr. 6 der jüdischen Blätter Kunst - Jugend Hermann Heuser, Bochum-Duisburg. Mit Recht tituliert die Schrittleitung diese Ausgabe' der „Jüdischen Blätter" — Jugend und Kunst —, denn die Entwicklung der Jugend wie der Kunst sind voneinander bedingt. Als vor einigen Jahren der Umsturz des alten Regimes beschlossen war, brach nicht nur eine Revolution auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet aus, sondern auch eine Revolution des Geistes, der Kunst und der Jugend, die künstlerisch arbeitete. Ja, der ganzen Jugend, die von der neuen, starken nihilistischen Welle erlaOt wurde und mitgerissen, im Strom, der ganz Europa durchzog. Ich meine nicht d i e Jugend, die dann die unzähligen Vereine und Vereinchen gebildet hat, mit chauvinistischen, politischen und ähnlichen „Idealen", sondern die Jugend, die von der Intensität der Zeit beseelt wurde, mit Schema, Schablone und sogenannter Tradition abgerechnet hatte und nach Wahrheit schrie. Ich meine auch die jüdische Jugend, die lebendiger und intensiver an jüdische Fragen heranging, von einem neuen, jüdischen Odem belebt, die zu einer Phalanx sich aufgerafft hat und unter dem Banner „Idee" einen geistigen Kampf führt. So entstand ein Kampf, eine Entwicklung, ja, eine positive Entwicklung in der Jugend, die man unbedingt als eine Epoche bezeichnen kann, ähnlich wie in der Kunst, die Epoche des Expressionismus. Ich will hier nicht diese künstlerische Periode behandeln, ich will nur einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Kunst in den letzten Jahren geben, um mich dann parallel der Jugend zu widmen. Expressionismus, dieses Wort, das aus dem Lateinischen — expresiv — stammt und „ausdrucksvoll" bedeuten soll, hat eigentlich im Laufe der Zeit seinen eigenen Ausdruck, den wahren Sinn des Wortes, einbüßen müssen und ist bei den Menschen, die sich wenig mit Kunst befassen, zum Spielwort und Scherz geworden. Die wahre Bedeutung aber ist: das Ablehnen eines künstlerischen Schaffens, sei es in bildenden Künsten (Maleret und Plastik) oder tönenden Künsten (Musik und Dichtung), da« von Natur, Umgebung und Rücksicht abhängig sein soll, sondern Wollen, echte Empfindung des Künstlers, der Seele und des Gemüts, selbst wenn es verzerrt ausfallen sollte, Wollen des wahren, nicht betünchten Ausdruck« — Expressionismus. Der Weg der Dichtung der Expressionisten hat ein starkes Fundament, das auf drei Grundpfeilern aufgebaut ist: Gott, Liebe, Gerechtigkeit. Der Expressionist will aus der Hülle zur Seele,' au« dem Rang zum Menschen, vom Schildern zum Geist. Die Kunst soll positiv werden, und so ist das Motto dieser Bewegung unstreitbar richtig und muß von jedem Kunstfreund . gewürdigt werden, denn der Kunst edelster Teil ist der Ausdruck. Ich will hier nur wenige« über den Expressionismus in der Literatur sagen, und so würde es zu weit führen, wollte ich hier die verschiedenen Epochen der Literatur behandeln. Ich will mich nur, um den krassen Unterschied des Expressionismus herauszuschälen, mit einem ganz kurzen Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Literatur begnügen. Die politischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts beeinträchtigten auch die literarische Entwicklung. Der Humanismus machte das Fremdländische empfänglicher, besonders aus Frankreich, Italien, Spanien, und so entstand eine neue literarische Richtung (1617—1708), die genannt war „die Nachahmung des Auslands". Welchen Aufstieg erreichte dann die Literatur durch die Sturm- und Drangperiode (1744—1802) durch die Genies Lessing, Herder, Kloppstock, Goethe und Schiller, die eine These aufgestellt hätten: Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Selbständigkeit soll das Losungswort der deutschen Dichtung werden. Dieser Klassizismus wurde nun von einer neuen literarischen Richtung bekämpft, nämlich von der „Romantik" (1796—1830). Dieser Periode folgte nun die „moderne" Richtung, der „Naturalismus" (1886). Nicht geringe Talente befanden sich unter den Jüngern der neuen Richtung, so Richard Voß, Hermann Sudermann, Ludwig Fulda, Max Halbe, Liliencron und Gerhart Hauptmann. Bei Hauptmann tritt uns am klarsten die (dramatische) Technik des Naturalismus entgegen, Vermeidung des Monologes, statt dessen Selbstcharakteristik und die Vorliebe für Dialekte. Dieser Epoche gegenüber steht nun die neue Richtung, deren Entwicklung wir spannend und aufmerksam folgen, nämlich der Expressionismus. Wie ich schon erwähnt habe, muß man, will man die Kunst des Expressionismus verstehen lernen, von dem Impressionismus ausgehen. Eine Kunst des Ausdrucks wird einer Kunst des Eindrucks gegenübergestellt. Während der Impressionismus seine Umgebung, Natur, Beleuchtung, Farbe und äußere Effekte geltend macht, um Erfolge zu erzielen, besteht für den Expressionismus einzig und allein der Ausdruck seine« Empfindens bei der Bearbeitung seiner Idee ohne Rücksicht auf den Erfolg oder auf die ästhetische Schönheit. Das Subjektive, das eigene künstlerische „Ich" auf Sprache, Vers, Rhythmus. Während der impressionistische Dichter bei Verfassung eines Dramas die Themen meistens aus der bürgerlichen Gesellschaft genommen hat, wie z. B. Not und Gehalt, Ehe, Familie, die der Künstler dann künstlerisch und technisch, mit Riesendekorationen, bunten Bildern und sonstigen Effekten geschickt verarbeitet hat, oder ein geschichtliches Thema, bei dem es Momentbilder gegeben hat von Schönheit, Geste, von Tiefe, vielleicht auch Zur Beachtung! Mitteilungen der Verbandslei tun?; auf Seite 12 Vereinsnachrichten auf Seite 14 bis 15