Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (8.4.1926)
- Date
- 1926-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ORGAN DES BEZIRKS VERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE Schrfftleilung: Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, Haroldstrane 4 / Fernruf Nr. 7390 / Drude und Verlag: A. Gerisdi £ Co., G. m. b. H., Düsseldorf, Wallstrafce 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher Art an Dr. Klein, Dflsseidorf / Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark für die 6 gespaltene mm - Zeile / Bezugspreis: 15 Pfennig monatlich einschließlich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schriftleliunß oder den Vereinen / Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang | DÜSSELDORF, DEN 8. APRIL 1926 Nummer 5 Die jüdische Jugend und das jüd'sche Gemeindeleben * Von WillySalinger, Düsseldorf. und an den großen iit arbeiten! Die Gegenwart ist die Brücke, die uns von der Vergangenheit in die Zukunft führt. Wir gewöhnlichen Alltagsmenschen stehen auf dieser Brücke und lassen den Strom der Zeit an uns vorüberfließen. Wir zehren von den Erinnerungen verflossener Tage und blicken mit gemischten Gefühlen in das Land der Zukunft. Die Jugend hat mit der Vergangenheit gebrochen, sie sucht mit der Seele Neuland, das soll ihr die Zukunft geben. Jugend ist Zukunft, Jugend ist Hoffnung, Jugend ist Erfüllung. Der Jugend gehört die Welt, und wer die Jugend hat, der hat auch die Zukunft erobert. Alle politischen Parteien, alle Religionsgemeinschaften und Gesell---meindcparlamentarismus. Jüdische Gemeindevertreter sollen schaftsklassen haben sich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß ihr Fortbestand von der Gewinnung der Jugend abhängig ist. Ein wahrer Wettlauf von allen Seiten hat eingesetzt, die Jugend sich dienstbar zu machen. Man kann sogar kühn behaupten auch mit gutem Erfolge, gleichgültig dabei ist, wie dieser Erfolg später in die Erscheinung tritt. Klingt es aber nicht wie eine blutige Ironie der Geschichte, wenn die Juden, betraut mit der hohen Mission, Lehrer und Erzieher der Menschheit zu sein, eine Jugendnot haben? Diese Tatsache läßt sich nicht mit der Dialektik der jüdischen Kille* Parlamentarier oder von den verschiedenen jüdischen Vereinen hinwegdiskutieren. Nur wer die Psyche junger werdender Menschen erforscht hat, wer mit ihnen in ständiger Verbindung steht und ihr Lebensbegehren kennt, der kann es offen aussprechen, daß es eine jüdische Jugendnot gibt. Unsre jüdische Jugend ist vereinsamt, entwurzelt und auf sich selbst deshalb angewiesen. Mit wahrem Neid müssen wir auf die andern Konfessionen und Weltanschauungsrichtucgen blicken, wenn man sieht, wie diese ihre Jugend wie einen Augapfel hüten. Es muß zur Ehre der jüdischen Jugend gesagt werden, daß in ihr ein guter Kern steckt, wenn sie trotz alledem uns geblieben ist. Es ist deshalb ein nicht genug hochanzuschlagendes Verdienst der jüdischen Jugendbewegung, wenn sie fest entschlössen ist, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Die jüdische Jugend will nicht mehr gegängelt oder geführt sein, sie will führend im Dienste des Judentums sein, um ein Terrain zurückzuerobern, das uns allmählich verloren geht: unser Judentum. Aber diesem Tatwillen stellen sich Hemmungen entgegen. Wie sollen junge werdende Menschen sich zum Führer entwickeln, wenn man sie ängstlich von allen großen jüdischen Tagesfragen fernhält und ihre Erörterungen den Männern von Rang und Würden überläßt? Wir verlangen voa unsern Führern, daß sie Charaktere sind. Geborene Führernaturen sind auf dem Markte des Lebens eine Seltenheit, Führernaturen bilden sich im Strome der Welt und der Zeit. Deshalb ist es eine zwingende Notwendigkeit, und diese Notwendigkeit kann den Führern unsrer jüdischen Gemeinden und Organisationen nicht genug und überzeugend eingeschärft werden, daß sie beizeiten für Nachwuchs sorgen. Die Forderung unsrer Zeit heißt: Laßt die jüdische Jugend an den Ge m e i ndeaufgaben Auf gVb en des Judentums mi Wer aber an den Aufgaben des jüdischen Gcmeindelebe^fs mitarbeiten soll, der muß auch mit den Aufgaben des jüdischen Gemeindelebens und der Gemeindeverwaltung vertraut sein. Es ist eine irrige Auffassung, wenn man; glaubt, daß man Zeit genug hat, wenn man gewählt ist, sich' in das neue Amt einzuarbeiten. Nicht jedem gibt Gott mit dem neuen Amt auch den nötigen Verstand in das Amt mit. Solche Menschen bleiben ewige Dilettanten auf der Bühne des jüdischen Geauch jüdische Führer sein. Die vornehmste Aufgabe der jüdischen Jugendvereine muß es werden, daß sie sich von Zeit zu Zeit auch mit jüdischer Gemeindepolitik befassen. Die Führer der jüdischen Gemeinden sollen der jüdischen Jugend einen Einblick in den gesamten Verwaltungsapparat durch Vorträge verschaffen und ihr zeigen, welche Aufgaben eine jüdische Gemeind zu erfüllen hat, und welche Pflichten daraus jedem Gemeindemitglied erwachsen mit allen Kräften beizutragen, damit das Gemeindeschifflein glatt durch alle Klippen und Fährnisse bugsiert werden kann. Ich sehe da manchen im Dienst ergrauten und bewährten Vorsteher das Haupt schütteln und von seinen Lippen den wirschen Vorwurf ertönen: „Auch das fehlt uns noch!" - Aber gemach, meine Herrenl Mit 14 Jahren wird der Knabe und das Mädchen mit den Grundzügen der Verfassung des Deutschen Reiches vertraut gemacht. Bei seinem Abgange erhält jeder Schüler die Verfassung mit auf den Lebensweg, damit er ersieht, welche Pflichten er dem Reiche gegenüber zu erfüllen hat und welche Rechte er als Staatsbürger genießt. Er soll ius dem Studium der Verfassung erkennen, daß er ein dienendes Glied eines großen Ganzen ist. Mit 21 Jahren erhält er das Wahlrecht. Zur gefl. Beachtung! Folgende Vereine zeigen \n dieser Nummer ihre Veranstaltungen aij: Aachen, Düren, Düsseldorf, Elberfeld- Barmen, Euskirchen, Köln, Kreuznach, Duisburg;, Gelsenkirchen, Hamborn, Kecklinghausen, Wanne-Eickel, Wattenscheid. _