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Der Jugendbund · 1926-03-25 · 4 (25.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
4 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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DERJUGENDBU Organ des Bezirksverbandes Jüdischer Jugendvereine Westdeutschlands und des Rheinlsch-Wesllalischen Bezirksverbandes indischer (üfendverelne l/UTER Ausosos für de» Vertianä übp r^äisrhsn JugsndtfSPelnB OButsüilaniis Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zelle / Bestellungen nur bei der Schriftlei hing oder den Vereinen / Druck und Verlag: A. Gerlsch & Co.. G. m. b. H.. Düsseldorf. Wallstra&e 10 Alle Einsendungen redakl. u. geschaflL Art an Dr. Klein. Dasseldorf / Schriftleirung: Rabbiner Dr. Klein. Dusseldorf. Horoldstroae 4 Fernruf Nr. 7390 X. JAHRGANG / Nr de» J n st endbund es I Düsseldorf,-den 25. März 1926 ^s^Ährgan^^NtTTi I der Jfldlschen Blatter | Jüdische Jugend in moderner Kultur** Vortrag, gehalten a-:f der Tagung des Nordwestdeutschen J. J. V. 1925. 1 i x Aber, Bremen. Jugend sprechen. Zwischen das unmündige Kind und das reife Mannesalter schiebt sich eine neue Schicht, die Jugend. Mit dem Ansprüche, sich nicht lediglich nach den Weisungen der Alten für das Leben als Mann vorzubereiten, sonders mit dem Ansprüche, als jugendliche Menschen aus ihrer Jugendlichkeit heraus kulturelle Eigenwerte zu schaffen: Jugendkultur. Von^ Rabbiner Dr. Fe Die Schriften der Griechen berichten uns von einem merkwürdigen kultischen Brauche. Wenn über den Staat Zeiten größter Not kamen oder wenn das Land zu eng für den Nachwuchs ward, dann gelobte man den heiligen Frühling, ver sacrum. Man opferte die Erstlinge von Früchten und Tieren, und aus der Reihe der Jünglinge wählte map die Besten aus und schickte sie in die Fremde, in der sie Sich neue Wohnsitze suchen sollten. Wenn man den Sinn der modernen Jugendbewegung richtig erfassen will, dann ist es gut, sich dieses alten Brauches, den auch der Dichter gefeiert hat, zu erinnern. Der Jugend, der es zu enge wird in der alten, bequemen Welt der Väter, die in ihrem Bedingungsdrange neue Gebiete der Kultur sich erschließen will, ist heiliger Frühling, ver sacrum, Sinnbild ihres innersten Strebens. Wer unter solchen Gesichtspunkten die moderne Jugendbewegung betrachtet, wer sich ihres jugendlichen Tatendranges, ihres stürmischen Vorwärtsdrängens freut, dem kann es nicht leicht werden, ein Thema zu behandeln, das von der Einordnung der Jugend in einem vorhandenen Kulturkreis, dessen Werte und Güter sie sich auf dem tyege. der Bildung zu eigen machen soll, spricht. Jugend innerhalb einer Kultur, das ist der Gegensatz des Gedankens, der im Opferrifual des ver sacrum, des heiligen Frühlings sich verkörpert. Andererseits besteht für die Jugend die Notwendigkeil, über kurz oder lang die Brücke zu der Kultur zu finden, an deren Ausbau sie weiterzuarbeiten künftig berufen sein wird. Selbst wenn sie die Entwicklung dieser Kultur in andere Bahnen einzulenken wünscht, als die sind, die sie vor sich sehen. So ist Jugend und Kultur einer Zeit immer ein schwerwiegendes Problem. Soll die Jugend ihr Recht aufgeben, sich Neuland zu erobern und soll auf der anderen Seite ein Fragment bleiben, was frühere Geschlechter schufen? Zwei Wege gibt es, die die Möglichkeit einer Lösung geben: der eine Weg ist der Weg der Erziehung, die ältere Generation stattet ihn durch die Institutionen der Gesellschaft, vor allen Dingen durch die Schulen mit all dem Wissensstoff aus, den sie für erforderlich hält, damit die kommende Generation die Fortsetzung ihres eigenen Bemühens verbürge. Die moderne Jugendbewegung weist diesen Weg zurück. Sie will, daß der Jugend nicht Kenntnisse von außen her beigebracht werden, die ihr nicht adäquat sind, sondern sie wünscht ein Erfassen der Kulturwerte, die sie vorfindet, von innen heraus. Sie will sich durch Selbsttätigkeit die Welt erarbeiten. Sie stellt in Frage, was den Vätern ausgemacht und für' alle Zeiten feststehend erscheint. Ihr ist zu eng in dem Hause, das die Alten sich zimmerten. Sie will hinaus und Platz im Leben erkämpfen. Man hat unsere Zeit das Jahrhundert des Kindes genannt. Mit größerem Rechte kann man von einem 'Jahrhundert der sich selbst ihren *) Vergleiche den ver sacrum betitelten Aufsatz von Dr. A. Salz im Sammelbuch vom Judentum, Leipzig, 1913, S. 169. Jüdische Jugend in moderner Kultur. Dies Gesagte gilt, wenn man für Jugend und Kultur im allgemeinen zu sprechen hat. Das Problem verschärft sich, wenn man von der Stellung jüdischer Jugend in moderner Kultur reden solL Heinrich Heine hat einmal das Wort gesprochen: „Die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Juden aber waren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nicht bloß ehemals, sondern bis auf den heutigen Tag." Und in der Tat, wenn man sich einmal die Frage vorlegt, wo findet diese Zwischenschicht zwischen Kindheit und Reife, die wir Jugend nennen, innerhalb der Welt des Juden ihren spezifischen Platz, so sind wir verlegen um eine Antwort. Der dreizehnjährige Knabe wird Bar roizwoh nnd nimmt dadurch in jüdischer Beziehung die Rechte und Pflichten der Erwachsenen bereits auf sich. Und würde nicht das Wort unserer Weisen zu Recht bestellen, daß die Gottcslehre mit dem Manna vergleicht und das für jedes Lebensalter den ihm er* wünschten Geschmack hat, würde nicht neben Lehre und Gebot, neben Weisheit und Sinnspruch in unserem Schrifttum das jugendliche Feuer der Propheten glühen — man denke an jenes Wort Jeremias: „Ich nahm mir vor, ich werde nicht reden, da brannte das Wort in meinen Gebeinen wie zehrendes Feuer" — so müßte man denen Recht geben, die da behaupten, daß das Judentum seiner Jugend nichts Besonderes zu geben hätte. Aber unsere Lehre, die Baum des Lebens genannt wird, ist jugendlich, immer wieder Stillstand, Beharren und Selbstgenügsamkeit bekämpfend, aber sie kennt keine Sonderstellung der Jugend den Reifen gegenüber, denn selbst das Vorrecht der Jugend, das Lernen, nimmt sie für ihre Bekenner bis ins Greisenalter, bis zur Stunde des Todes in Anspruch. Hat die jüdische Jugend innerhalb der letzten 120 Jahre im Schicksal unseres Volkes ihre besondere, aber wechselnde Rolle gespielt, die man am allerbesten durch das Thema unseres Referates: „Jüdische Jugend in moderner Kultur" bezeichnen kann, je nach der Interpunktion, die man setzt. Man kann drei Perioden unterscheiden: Jüdische Jugend in moderner Kultur Ausrufungszeichenl Jüdische Jugend in moderner Zur Beachtung! Mitteilungen der Verbandsleitung auf Seite 13 Vereinsnachrichten auf Seite 14 bis 15

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