Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 12 (1921)
- Issue
- 4 (Sept./Oktober 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 112 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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112 Arbeitsgemeinschaften. Der Anregung, die Hermann Durlacher (Heidelberg) in Heft 1, Jahrgang 12, in bezug auf Arbeitsgemeinschaften gegeben hat, stimme ich durchaus zu. Jeder Studierende weih, dah in den Seminaren, die auf Selbsttätigkcit der Mitglieder beruhen, wesentlich mehr an positiver Leistung für den Einzelnen erzielt wird, als bei den Vorlesungen, in denen der Student nur ausnehmend beteiligt ist. Es wäre also durchaus wünschenswert, dah die gegenwärtig auch in de» Volkshochschulen häufig geübte Methode der Arbeitsgemeinschaften auf die Jugendvereine übertragen wird, schon um der Erziehung zu selbsttätiger Geistesarbeit willen und auch zu dem Zwecke, geeignete Führcrpersönlichkeiten zu entdecken und auszubilden. . Wie die Kurse weiter aufzubaucn wären — ob gleichzeitig nebeneinander herlausend, ob zeitlich nacheinander — ist eine praktischpädagogische Frage, die am besren mit erfahrenen Pädagogen beraten wird, und je nach der Art des Stoffes zu entscheiden ist. Nur möchte ich in Hinsicht auf das ausgestellte Programm eine ergänzende Bemerkung machen. Es ist zwcckmähig, wie vorgeschlagen wurde, den Stoff in koiizentrischen Kreisen aiizusrdncn und zuerst das uns zunächstliegendc zu behandeln: 1. Jüdische Geschichte. 2. Literatur. 2. Jnnerjüdisches. 4. Antisemitismus. — Doch hier sollte nicht Halt gemacht werden, sondern, da mit der Bekämpfung des Antisemitismus die Pforte nach auhen geöffnet, der Übergang in den nächstgröhcrcn Kreis gleichsam gegeben ist, mühte meines Erachtens der Weg weiter gehen. Unsere Stellung innerhalb der deutsche» Kulturgcmeinschaft: :>> Welchen Anteil haben hervorragende Juden (^. B. Spinoza sEinfluh auf Goethes, Moses Mendelssohn fEinfluh auf Lessings, Simmel, Hermann Cohen, Einstein und viele andere) an dem Komplex, den wir „Deutsche Kultur" nennen? b) Wie stellen sich führende Geister der deutschen Kultur (z. B. Luther, Goethe. Lessing, Bismarck, Natorp, Sombart — um nur einige für und wider zu nennen —) zum Judentum, und welche Gründe veranlassen sie zu ihrer Stellungnahme? Auch ein in dieser Richtung erweitertes Wissen könnte uns ..'Waffen im Abwehrkampf" in die Hand geben. Selbstverständlich wäre ein so umfangreiches Programm (Punkt 1—5a und b) nicht im Laufe eines einzigen Winters zu bewältigen, es mühten mindestens zwei Winter dazu zur Verfügung stehen, und auch in dieser Zeit mären die einzelnen Punkte nicht annähernd erschöpft, sondern nur Anregungen zum Weiterarbeiten und Vertiefen der gestellten Probleme gegeben. Aber vergesien dürften wir nach meiner Ansicht diesen Ausblick ins deutsche Geistesleben nicht, wenn wir unsere Arbeitsprogramine aufstellen. Wir jungen deutschen Juden sind stolz auf unser Judentum und seine ethischen Werte und wollen es nicht verleugnen, aber wir stehen doch ebenso bewußt auf dem Boden der l deutschen Kulturgemeinschaft, gebend und empfangend. Und in dieser Kulturgemeinschaft,. in der wir uns Bürgerrecht erworben haben.