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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · 3 (8.1920) · p. Seite 58

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
3 (8.1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 58 (sequence 4)
Language
German
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58 diesmal wieder seinen altbewährten Rus als Leiter der Sitzung, aufs beste unterstützt von seinen trefflichen Mitarbeitern Dr. Löffler und Dr. Cora Berliner. Die Teilnehmer der Tagung möchte ich in drei Gruppen einteilen, wie dies auch Vonseiten eines Diskussionsredners geschehen war. Tie Jungen, — die Gruppe derer, die wieder jung werden wollen —, die Alten. Nach Bekundung dieser Sinnesrichtungen waren auch die Debatten zu bewerten. Dr. Apfel und Dr. Löffler sprachen als die ersten zur Versammlung. Beide fanden Worte vollen Verständnisses für den Drang nach Gemeinschaft, für das Ringen nach dem Ausdruck des religiösen Sinnes, von dem iveite Kreise der neu empörstrebenden Jugend ergriffen worden sind. Ten Ausführungen dieser beiden Redner schloß sich eine ausgedehnte Generaldebatte^ an. Brennende Sehnsucht nach Erneuerung, der Gesinnung, sowie heiße Zuversicht auf den Enderfolg dieses Willens sprach immer wieder aus deni Munde der Jungen. Alle einig in ihren Zielen, doch verschieden in den einzuschlagenden Wegen. Stets aber verkörpernd wahren Gemeinschaftssinn, seien sie vereinigt in einem „Tatenbund", wie die Hannoveraner Freunde, oder in Wandergruppen, wie an einer Reihe anderer Plätze, oder endlich in Zirkeln, um sich Wissen aus Talmud und Bibel, aus alter und moderner Literatur zu verschaffen. In diesem Zusammenhang möchte ich die Worte Dr. Cora Berliners einstigen, die tiefsten Eindruck hintcrließen und in einer Jugendbewegung nicht oft genug Erwähnung finden können. Cora Berliner setzte sich für die innere Wahrhaftigkeit ein. die erste Forderung .an alle, die Führer auf den Wegen sein wollen, die wir als Anhänger unserer jüdischen Jugendbewegung zurücklegen müssen. Neben diesen begeisternden Ausführungen war auch mancher Stoßseufzer von Vertretern der anderen beiden Gruppen zu vernehmen, die diese neuen Formen unserer Bewegung nicht verstehen wollten oder konnten. Ihnen allen mußte immer wi<ä>er gesagt werden, daß Tatenbund, daß unsere Wanderbrüder und -schwestern nichts anderes erstreben als Gemeinschaften junger Menschen, die nun wirklich nach Inhalt, Form und Tat den Neuaufbau menschlicher Gesinnung und religiösen Erlebens beginnen wollen. Nicht Phrase trat an Stelle des Erlebens, wie ein Redner dieses Emporkommen der Jugend bezeichnen zu müssen glaubte; nein, innerste Erkenntnis, daß nach deni furchtbaren Geschehen der vergangenen Jahre die bestehenden Weltanschauungen abgewirtschaftet haben, und die Vorzüge von Geist und Seele allein wieder maßgebend sein sollen. Diese Deutung war das einmütige Bekenntnis aller Jungen. Und deshalb der Schrei nach Gemeinschaft, wenn man es so bezeichnen darf, ausgestoßen von Menschen, die vor allem ihr eigenes Ich auf diese Neuorientierung eingestellt haben und dann immer weitere Kreise an sich heran- und emporziehen wollen, um schließlich aus allen Anhängern unserer Bewegung wahrhafte Sucher der schöpferischen, geistigen Neurichtung unserer Zeit zu scbaffen. Einige Redner riefen aus: „Taten wollen wir sehen, nicht Worte!" Ihnen konnte er-

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