Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 11 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 40 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprache unserer Jugend den jüdischen Menschenkreis überspannte, so auch das Ringen um die Mittel zu ihrer Verwirklichung. Es geschah Wohl erstmalig, daß mit wahrer Wucht das Problem „einzelner Höherer" und Massen im Zusammenhang mit der Gemeinschastsfrage bei unseren Beratungen umstritten und der Lösung zugesührt wurde. Präludierend war dieses Thema schon kurz vor der Nürnberger Konferenz innerhalb der Leitung des Hessischen Landesverbandes angeschlagen worden. Das zeigt, welche Bedeutung man seiner Erörterung beimaß, die auch durch die starke Beteiligung gerade der hessijckxm Freunde zum Ausdruck gelangte. Längere Zeit stand die Frage im Brennpunkte der Nürnberger Verhandlungen, ob zur raschen Schaffung der wahren Gemeinschaft nicht ein zeitweiliges Herauslöscn des Höheren aus der „stumpfen Masse" erwünscht und darum statthaft sei. Zum Schlüsse griff die Ucberzeugung durch, daß die Sittlichkeit ein durchaus vorübergehendes Abtrennen de.s Ich von der Allbert verbiete, und daß durch Bildung von „Sondergemeinschaften" die allen, gemeinschaftswidrigcn Gegensätze zwischen Proletariat und Besitzenden nur neu gefestigt würden. Gilb so die Auseinandersetzung mit dem Geiste der Zeit und seiner besonderen Ausprägung durch die jüdische Seele der Tagung des Bayerischen Landesverbandes ihre hohe Bedeutung für den Gesaml-Verband der jüdisck)cn Jugendvereine, so wurde diese noch erhöht durch die Stellungnahme gegenüber wichtigen Teilsragen. Es dürste kaum verwunderlich sein, wenn bei solcher Gesinnung einer neuen jüdischen Jugend mit seltener Einnniligkeit bekundet wurde, man verlange eine „Entpolitisierung" des Jugendverbandes, da man jüdische Politik, so wie sie sich im letzten Jahrzehnt abspielte, als dem Geiste der Jugend fremd, als kaltes, gemeinschaftsfeindliches Gebilde der „Alten" eraÄstc. Man wünscht bei künftigen Tagungen unserer Delegierten, nicht noch einmal kostbare Stunden über dem Streite für und wider die Zionisten, für und wider den „Ccntralverein" u. s. w. zu vergeuden. Eine eindeutige Resolution der prächtigen Münchener Grete Kovars und Julius Dingfelder gab diesem Verlangen aller bündigen Ausdruck. Es ist für uns außer jeden Zweifels, daß an die Stelle solcher unfruchtbaren, nur der-gegenseitigen Verhetzung dienenden politischen Auseinandersetzungen bei weiteren Kongressen unserer, stark bewegten Jugend vor allem das gemeinsame Mühen um Nahrung für das religiöse Bedürfnis treten wird. Es zeigte sich auch in Nürnberg wieder und kann nicht genug als symptomatisch gekennzeichnet wer-