Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1920-06-01 · 2 (6.1920) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
11 (1920)
Issue
2 (6.1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 38 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4926451-6352299-6352529--2040-4928124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 unsere Reihen hineintragen. Unser heutiges Zusammenleben ist nicht mehr ein elementares Ineinander-, sondern ein von Konvention bestimmtes Ncbcneinandcrleben. Die Kraft zur Gemeinschaft scheint in unserer Zeit zu fehlen, doch keimt sie in jungen Menschen und ist über alle Seelen ausgestreut. Es bedarf nur des Willens, sie zur Entfaltung zu bringen. Solche Aufgaben zu erfüllen, bedürfen wir aber der Führer. Jeder von uns, der guten Willens ist und der Kraft in sich fühlt, Führer zu sein, der trete vor! Seiner Tätigkeit werden gar oft Hemmungen entgcgcntrcten! Im Partcigeist, der starrgewordene Prinzipien zum Gesetz lebendigen Lebens machen möchte, in der Teilnahmslosigkeit, welche eigenes Behagen höher stellt, als das Streben für das Allgemeine, im prinzipiellen Oppositionsgeist, der Kritik an allem übt, zersetzend und niemals aüfbaucnd. Ter Führer mutz klaren Auges und mit dem reinsten Willen seine Persönlichkeit cinsetzen, er muß verstehen, die warmen Herzenstöne des Freundes erklingen zu lassen, die das Band gegenseitigen Vertrauens um die Menschen schließen; er muß Erfahrungen sammeln nnd sich stiindlich seiner schtmren Aufgaben und Verantwortung bewußt sein. Ter Führer darf sich nie als ein Fertiger ansehcn, er muß an sich arbeiten und sein Wissen auf allen Gebieten zu vertiefen suchen. Er muß seinen Freunden von seinem inneren Erleben mittcilcn können und ihnen so ein wahrhafter Freund, Berater und Erzieher sein. Er darf sich aber auch nicht über berechtigtes Urteil hinwegsetzcn, wenn er fühlt, daß die Kritik der Sache, nicht der Person gilt. Schonungslose Strenge gegen sich selbst, Milde gegen andere, die Fähigkeit, sich in den Gedankenkreis anderer Menschen zu versenken, sind notnx'ndige Eigenschaften jedes Führenden, insbesondere aber der Führer, die sich an die Spitze einer so viel umkämpften und bestrittenen Organisation wie der neutralen Jugendbeivegung stellen lassen. Solchen Führern, wie sie uns in dem Mann der Praxis.!>r. Apfel, und dem Mann der neuen Ideen, I>r. Löffler, beschrieben sind, wird es gelingen, in unseren Reihen Schule zu machten. Aus der Zahl unserer Mitglieder eine Auswahl junger Männer und Frauen zu bekommen, tvelcke sich an die Spitze der Jugcndvereine in Stadt und Land stellen, ist die nächste und schwierigste Aufgabe; welche die jungjijdische, neutrale JugcndbcNvgung zu lösen hat. Haben wir diese führenden Persönlichkeiten, die wir ebenso notwendig in der kleinsten Landgemeinde, wie in der Großstadt brauchten, so wird es '.ins auch nickt an der treuen Gefolgschaft fehlen. Tann wird die Jugendbctvegung zu dem Jungbrunnen werdet:, »us dem unseren Gemeinden neue Lebenskraft sprudelt und dem Judentum die Wasser des Lebens fließen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.