Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 236 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Wir kommen nunmehr zu dem Referat der Kongreßkommission. Wir müssen erst doch wohl unsere geschäftlichen! Sachen erledigen. Ich habe etwas vergessen. Wir müssen im Zusammenhang mit der Satzung den Verbandsbeitrag festsetzen. Ich frage Sie, wenn Ihnen einmal in Ihren heimatlichen Vereinen eine derartige Unruhe, wie sie augenblicklich herrscht, als Vereinsleiter begegnet, würden Sie sich das gefallen lassen? (Rufe: Nein!) — Dann muten Sie es bitte auch mir nicht zu! Es ist doch eine Rücksichtslosigkeit, daß Sie mir die Leitung durch Unruhe so sehr erschweren! (Sehr richtig!) Dann machen wir doch lieber Schluß mit der- Tagung! Verehrte Delegierte! Wir wenden uns nunmehr-zur Besprechung eines Gegenstandes, der auf den ersten Augenblick nüchtern erscheint, mit dem aber das Gedeihen des Verbandes auch na^ der ideellen Seite eng verknüpft ist. Wir müssen nämlich bestimmen, ivclchen Verbandsbeitrag die einzelnen Vereine für die beiden nächsten Jahre an dm Gesamtverband abznsühren haben. Nach der Satzung hat hierüber die Telegiertentagung zu bestimmen. Wir hatten auf der letzten Telegiertentagung beschlossen, 20 Pfennig pro Kopf des einzelnm Vereinsmitgliedes an den Verband zahlen zu lassen. Verbandsbeiträge find aber von den Vereinen lvährend der Kriegsjahre kaum gezahlt worden. Wir mußten eben Rücksicht darauf nehmen, daß die meisten Vereine selbst nicht wußten, wovon sie leben sollten, da so viele Mitglieder im Felde waren: wir haben daher sämtliche Augen zugedrückt. Wir lebten von persönlichen Spenden und von den Zuschüssen der Organisationen, für die ich auch an dieser Stelle unserenherzlichen Dank ausspreche. So aber geht es nicht 'weiter. Es ist eine feststehende Tatsache, daß zur Zeit der Verband ohne die Zuschüsse der Organisationen nicht bestehen könnte und wenn uns znm Beispiel der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht noch im letzten Moment eine erhebliche Subvention gegeben hätte, (hört, hört) iväre es uns unniöglich gewesen, diese Delegiertentagung abzuhalten. Sie haben auf dieser Tagung einen solchen Unabhängigkeitsdrang bekundet und so fest dem Glauben an unsere Bewegung Ausdruck gegeben, daß darauf.bestanden werden muß, daß Sie den Verband auch wirklich finanziell unabhängig machen. Es ist unserer Beivegung unwürdig, daß sie finanziell auf Schnorrerei beruht. (Lebhafter Beifall). Wir haben uns in den Ausgaben die äußerste Beschränkung auferlegen müssen. Es ist uns, wie durch ein Wunder, gelungen, den Verband schuldenfrei zu halten. Es lvar uns aber kaum möglich, ein« Reise für den Verband zu unternehmen, weil wir nicht wußten, wie auch nur die einfachsten Reisespesen ersetzt werden sollten. Wir haben keinen Geschäftsführer anstellen können und unsere Sekretärin, Fräulein Finkenstein, hat den ganzen Apparat mit einem Büro bewältigt, das etwa im Stil eines kleinen Anwaltbüros gehalten war. Das wgr nur möglich durch übergroße Anspannung aller Kräfte. So ^aber gdht es, wie gesagt, nicht weiter. Wir haben Geschäftsführer,