Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 202 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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—■ 202 nun zur Abstimmung. Wer für den Antrag auf Schluß der Debatte ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. — Ich bitte um die ltzegenprobe. — Ter Antrag ist mit iiberwältigender Mehrheit angenommen. Gustav Löffler, möchten Sie noch ein kurzes Schlußwort sprechen? Tann sprechen Sie cs bitte gleich von Ihrem Platze aus. Ile. Löffler-Frankfurt a. M. (Schlußwort): Meine Damen und He rren, ich möchte nur allen denen, die in der kurzen Zeit sich geäußert haben, recht herzlich danken. Und ich möchte Ihnen ganz bc- «ondcrs für das anhaltende Interesse danken, das Sie für die Ausführungen zu in Ausdruck brachten. Zur Sache selbst habe ich sehr wenig noch zu sagen. Ich möchte aber vor allen Dingen noch einmal betonen, daß alle diese Probleme im Leben für die Gestaltung der Zukunft weitester Kreise von großer und größter Bedeutung sind. Ich iveiß aber auch, daß der Wille im Leben des Einzelnen, das heißt allerdings ein felsenfester Wille für die Lösung der Fragen das Entscheidende ist. (Sehr richtig!) In dieseni Zusammenhänge, meine Tarnen und Herren, lassen Sie mich hier noch eins nachholen. Ich konnte selbstverständlich sowohl bei den rein gedanklich-theoretischen Ausführungen, wie bei den praktischen Vorschlägen, die ich daran zu knüpfen batte, bei tveitem nicht all das bringen, was zur Sache zu sagen liwr; jeder einzelne Punkt könnte einen ganzen Vormittag aussüllen. wenn man ihn erschöpfend behandelte. Aber ich erwarte ja auch, daß in den einzelnen Vereinen von nun an ganz gründliche Arbeit in jedem Teilproblem geleistet wird. Ties eingeschaltet, möchte ick nun nock folgendes sagen: Foerster hat einmal in seinem Buche „Jugendlehre" ausgeführt:- Selbst wenn die heutige medizinische Wissenschaft auf dem Standpunkt stände, daß die Enthaltsamkeit für den einzelnen gesundheitliche Gefahren mit sich brächte, so müsse er, 'Foerster, vom Standpunkte der Etbik aus^gegen die Propagierung dieser Ideen sich wenden, denn vom Standpunkte der Ethik ans dürfe das nicht gutgeheißen werden, was eine Mode-Aufsassung der Wissenschaft heute allenfalls billigt. Dasgilt seinen Grundgedanken fiir all das, >vas wir besprechen. Wir dürfen diese Modeanschauungen, ob sie sich auf den Einfluß der Wirtschaft, ans das Leben oder auf den Einfluß der Naturwissenschaft beziebcn. nickt gestaltend sein lassen für unsere Lebensführung. Darum möchte ick auch noch ans diesen Gedanken heraus ein Wort über die Beziebnngcn von Religion und Wissenschaft sagen. Auch da muß ick mich verhältnismäßig kurz fassen. (Vorsitzender: Nicht nur verbältnismäßig, sondern wirklich! Es geht nicht anders!) Manch einer , wurde in seinem religiösen Glauben und Fühlen schwankend, wenn er hörte, daß die Anschauungen Tarwins und Haeckels dem widersprachen. Gerade auf diesem Gebiete aber haben die Forschungen der letzten Jahre Anschauungen zur Strecke gebracht, die man als felsensest stehend erachtete. Man hat z. B. nachgewiesen, daß die Vererblichkeit auch erworbener Eigensckxiften möglich ist. Meine Damen und Herren, bedenken Sie das Weittragende gerade dieser, alte Naturwissenschaft-