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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 201

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 201 (sequence 43)
Language
German
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201 Judentum in gewissem Sinne eigen ist, sehen wir daraus, daß es offenbar kein Zufallsprodukt ist, daß die Begründer des Sozialisnms, Marx und Lassalle, unser Blut in ihren Adern hatten. Nur ist der Unterschied zwischen unserem jüdischen Sozialismus, der vor allen Dingen die ethische Seite im Menschen immer und immer betont herben will, der iminer betont wissen will, daß der Mensch nicht allein vom Brote lebt, ich sage, der Unterschied zwischen dem jüdischen Sozialismus und dem heutigen Sozialismus ist dahin auszudrücken: der Sozialismus von heutä will den Reichtum abschasfen-,» jüdischer Sozialismus, wenn man so sagen will, will die Armut beseitigen. (Lebhafter Beifall.) Bei den jüdischen sozialen Institutionen erinnere ich an das Jobeljahr, demzufolge jeder Grundbesitz itu 50. Jahre an den uriprünglichon Originakbesitzer zurückfallen muß. Es gibt keine Enterbung des Besitzes, es gibt keine Knterbte des Schicksals. Ich erinnere an die Schmittohjahre, d. h. an die alle sieben Jahre wiederkehrende Zersozialisierung, derzusolge alles, was-auf Feld und Flilr gehegt und gepflegt wurde, allen zugänglich >var. Allerdings unter strengster Anerkennung des Lriginaleigentums. Ich erinnere daran, daß nach jüdischer Ansicht der Besitzende, der dem Armen oder weniger Besitzenden von seinem Eigentum abchbt, nicht etwa dafür Dank vom Armen verlangen darf: vielmehr der Reiche mich dem Arnien gegenüber dafür danken, daß er ihm die Möglichkeit "gibt, ihm zu zeigen, daß auch der Arrue sein Menschheitsbruder ist. Tenn so lautete der Grundsatz des jüdischen Sozialismus: Wir alle, sind Brüder! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vorsitzender Dr. Apfel: Wir müssen mit dieser Debatte zu Ende kommen. Ich kann keine Verantwortung für den Verlaus der Verhandlungen übernehmen und würde sogar bitten, die Nxütere Leitung der Tagung jemand anders zu übertragen, wenn >vir diese Materie nicht heute morgen zum Schluß bringen. Wir haben heute.nachmittag in der konzentriertesten Weise grundlegende Tinge zu besprechen und wichtige Beschlüsse zu fassen, den Verband neu einzurichten, einc^n neuen Vorstand zu wählen, neue Satzungen zu beschließen, das Antrsemiten-Referat anzuhören und dergl. mehr, so daß ich, so peinlich cs mir ist, Ihrer Erwägung anheimstellen muß, ob wir nicht diese Debatte kontingentieren. Lchrbr Stcrn-Hildesheim: Ich möchte nochmal meinen Antrag von vorhin Vorbringen. Ich bin auch nicht im geringsten vom Gegenteil dessen überzeugt, was ich gesagt habe. Es hat nicht ein einziger .Redner eigentlich etwas Neues und wirklich Besseres gesagt. (Sehr richtig!) Was gesagt ist und was weiter gesagt tverden wird, das sind kleinliche Ausführungen: das wiederhole ich noch einmal. (Sehr richtig!) Ich möchte wirklich die Redner bitten, auf ihr Wort zu verzichten. Vorsitzender Dr. Apfel: Herrn Sterns Worte dark ich wohl als Antrag auf Schluß der Debatte auffasserf? (Lehrer Stern: Jawohl!) Er hat dafür gesprochen. Nun frage Äh, ob ein Redner sich d a - gegen zum Worte meldet! Das ist nicht^der Fall. Wir kommen. 1

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