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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 194

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 194 (sequence 36)
Language
German
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194 Zu dem zweiten Teil bin ich der Ansicht, daß Mischehen und Frühehen im Grunde genommen soziale Fragen sind. (Sehr richtig!) Tie Erziehung zur Einfachheit und die Erziehung zur Beschei. denheit, die Erziehung zum Verlassen des elenden Kastengeistes — das sind Dinge, die die ersten Voraussetzungen sind zu dem, daß wir die Mischehe meiden und die Frühehe erreichen. Dazu ist es selbstverständlich notwendig, daß wir unsere Vereine als Erziehungsinstitute für diese Zwecke gewissermaßen einrichten. Und^darum unter» streiche ich es auf das schärfste, was Herr Dr. Löffler gesagt hat, daß wir in unseren Vereinen Klubräume schaffen müssen, in denen sich unsere jungen Mitglieder wohl fühlen (Sehr richtig!), daß wir sie aus den Wirtschaften und Kaffeehäusern, wie sie nun einmal in den Großstädten, aber, wie ich zu meinem Leidwesen auch beobachtet habe, in den kleineren Städten und sogar auf den Dörfern von ihnenbesucht werden — daß wir sie aus diesen Lokalitäten herausziehen und iie ganz und gar konzentrieren in unseren Vereinsräumen, daß sie nicht Lust haben, in solche Lokalitäten zu gehen, sondern sich durchaus »vohl fühlen in unseren Vereinsräumen, damit sich, da die Geschlechter gegenseitig näherkomiven und im reinen keuschen Verkehr miteinander die Liebe zur Frühebe erwacht und die Mischehen auf diese Weise ' unterbleiben. Ich vermisse noch eines in den Leitsätzen. Das ist die Betonung des Ausbaues der Turn-, Wander- und Sportgruppen. Sie und nur beiläufig erwähnt. Meiner Ansicht nach müssen sie sehr stark betont werden. Tie Liebe zum Handwerk kann meines Erachtens nur dadurch erreicht werden, wie es Herr Dr. Löffler angedeutet hat, daß wir tatsächlich praktisch in diese Sache eingreifen. Darum glaube ich. Ihnen den Vorschlag machen zu können, daß wir in unseren Vereinen vielleicht auch Gruppen bilden, die sich mit Handfertigkeit, mit dem Handtvcrk und dem Gartenbau, mit der Landwirtschaft beschäftigen. Wenn wir junge Leute in dieser Weise heranziehen, wie es bereits in den Schulen geschieht, daß Handfertigkeit und Gartenbau betrieben wird, wenn wir sie also heranziehen zur Liebe zu diesen beiden Dingen, so ist zu erwarten, daß das auch auf sie stark einwirkt und in ihnen Liebe zum Handwerk erweckt. Der Drang zur Großstadt wird immer so sehr bedauert; und ich gehöre zu denen, die ihn am schärfsten bedauern. Aber der Drang zur Großstadt ist nicht immer der Ausdruck der schwarzen Seele,, des materiellen Gedankens, der Raffgier, des Mammongeistes, wie hier gesagt worden ist. Ich habe mich darüber mit Sozialpolitikern, mit praktischen Soziülpolitikern eingehend unterhalten. (Vorsitzender 7 Herr Levi, Ihre Zeit ist abgelaufen!) Ich habe erfahren, daß dieser Drang zur Großstadt sehr häufig aus einem weit, weit höheren Gesichtspunkte heraus in den Leuten erwacht ist, nämlich aus dem Grunde, weil auf dem Lande und in den kleineren Orten die Bildungsmöglichkeiten fehlen. Tie Leute gehen in die Großstadt zum großen Teil aus dem Grunde, ihren Kindern und ihren Heranwachsenden Angehörigen bessere Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Sorgen wir dafür — damit will ich kurz schließen; ich hätte-

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