Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 188 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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188 dankbaren Scheideblick auf ihre beiden starken Strebepfeiler, die uns Vertrauen, unseren. Schreiten Festigkeit gaben, auf Re li gi o n u nd Sittlichkeit. Und dies sei der Grub, den wir. alles Gedachte verdichtend, im Weiterwandern ihnen zurufen: „Wir wollen fein ein einiger Stamm von Brüdern, Die Treue wahren uralt heiligem Bund, Wir wollen wandeln uns zu strenger Sitte Hütern. Dem ewigen Frieden bauen felsenfesten Grund!"" (Stürmischer, langanhaltender allseitiger Beifall.) Vorsitzender Ilr. Apfel: Verehrte Delegierte! Es sind mannigfache Gründe, die uns dieses Referat mit tiefster Belvegung anhören lieben. Zunächst müssen wir fcststellen, daß der gestrige Tag trotz mancher unerfreulichen Begleiterscheinungen mit dem heutigen zu einem groben Ganzen harmonisch zusammenklingt. Gestern war es wie ein Abschied von dem alten Streit der deutschen Juden, von den Gegensätzen in unserer Bewegung, wie ein Ausklingen der Jugendstreitereien der Jugendbewegung. Aber erst nach dem harmonische» und überwältigenden Abschluß gestrigen Tages war der Boden geschaffen für das Referat Gustav Löfflers. 'Wenn ich gestern wiederholt sagte, wir müssen unbedingt noch am gleichen Tage mit diesen Dingen zum Schluß komnwn, dann wußt^jch, was ich ivollte. Tic Errichtung dieses Marksteins der Entwicklung unseres Verbundes, den dieses Referat und die Aufnahme bei Ihnen bildet, war erst möglich, nachdem wir die Gegensätze unter uns in der wundervollen Verständigungsstunde gestern abend iveggeräumt haben. Das ist ja ganz klar — darin hat Gustav Löffler recht — über die Not der Zeit, über all das, was «ns bewegt, komnrt der einzelne und unsere Bewegung nur dann hinweg, wenn wir uns selbst, die wir Führer sind, und die uns Anvertrauten dazu erziehen, unser Leben auf anderen Grundlagen aufzubauen, als es meisthin bisher der Fall ivar (Sehr richtig!) oder ich will es milder ausdrücken, tvenn es uns gelingt, das in uns loszulösen, was Löffler in uns loslösen wollte, indem er nämichl mit seinem Optimismus an das Gute in uns glaubt, das nur durch so viel Schutt und vielfach durch unsere eigene Schuld überschüttet worden ist. Nunmehr - - und das ist die historische Bedeutung des Moments —- baben wir im Verband ein neues vorbildliches Arbeitsfeld. Wenn wir cs verstehen, diese Löfflerschen Thesen in bare Münze umzuwerten, dann hat unser Verband wirklich vorbildliche Arbeit für das deutsche Judentum und für alle Jugend - Organisationen geleistet. (Bravo!) Als ich gestern durch einen Zufall merkte, >vie sich am Abend Hans Goslar, der von der zionistischen Seite kommt, und F>r. Löffler trafen und, wie ich Nreiß, in ihrem Gespräch erwogen haben, wie die neue, sittliche. wahre Religiosität von ihnen in ihre verschiedenen Jugendorganisationen hineingetragen werden soll, da habe ich gefühlt, daß hier vielleicht die Verständigungsgemeinschaft geboren wird, die wir nötig haben und die erfolgversprechend erscheint. (Lebhafter Beifall.)