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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · 6/8 (Oktober/Dezember 1919) · p. Seite 187

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
6/8 (Oktober/Dezember 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 187 (sequence 29)
Language
German
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187 daß Kreisgerichte nicht vorwiegend in größeren Städten eingerichtet werden und schließlich noch, daß die industriellen Unternehmungen dezentralisiert werden. Bei solchem Ausbau des Landbesiedlungs- Planes wird dem seither häusigsten Einwande jüdischerseits, man müsse auf dem Lande geistig verkümmern, die Berechtigung genommen. Unsere Interessen berühren die der Allgemeinheit auf's Innigste, und so.hoffe ich, daß jüdische Rührigkeit sich selbst und dem Ganzen die Zukunft sichern wird. Bei einer derartig wcitausgreifen» dcn jüdischen Politik der Sozialreform dürsten auch rasch die Einwände gegen unsere Forderung der F r ü h e h e verstummen. Doch auch schon heute und für die Großstädte möchten wir sie keineswegs als den Wunsch idealistischer Einzelpersonen und Körperschaften aufgesaßt sehen. Recht große Einfachheit bei wahrhaft seelischer Harmonie wird zwar in unseren Tagen unerläßliche Vorbedingung sein-, bei deren Zutreffen werden aber zwei gesunde Menschen, die beide zum Erwerbe des Lebensunterhaltes beitragen wollen, unbdenklich in den Jahren blühender Jugend den Bund der Ehe schließen dürfen und so dem Geiste der Ethik und den Geboten einer gesunden Bevölkerungsf Politik am besten dienen. " Unsere jüdischen Weisen haben, wie vielen von Ihnen bekannt sein dürfte, das 18. Lebensjahr als den Zeitpunkt bezeichnet, da der jüdische junge Mann zum „Traualtar" schreiten solle. Wir werden unter .einenk herberen Himmelsstriche und in rauheren Zeiten, dem Geiste unseres weitblickenden Judentums und einer unerfreulichen, wirtschaftlich schwierigen Wirklichkeit zugleich Rechnung tragend, das für die Frühehe günstigste Alter im Durchschnitt auf das 25. Lebensjahr sestlegen dürfen.^ Ter junge Handwerker, Kaufmann, Landmann, der seine Kräfte bis dahin rührig einsetzte, wird im kommenden Zeitabschnitt, der dem. Werte bereitenden Schaffen angemessenen Lohn entrichten wird, in: der Regel ohne Bedenken ein einfaches, arbeitsfrohes Mädchen heimfichren können. Mo aber wirtschaftlick)e Schwierigkeiten erwachsen solltest, etwa bei Beschaffung des Hausrats oder bei unvorhergesehener Erkrankung, hat die Gesamtheit die Pflicht, helfend einzugrcifen, da ddch die in Frühehe Geeinten durch die soziale Tat der Frühehc Anspruch auf die Gegenleistung der jüdischen und staatlichen Gemeinschaft sich erworben haben. In der Schaffung der ^,Frühche- Kasse" durch dest „Jüdischen Frauenbund" dürfen wir leichte Ansätze zur Gestaltung seiner sozialen Versicherung.. deren Träger die jüdische Allgemeinheit sein muß, erblicken und begrüßen. Dem schüchternen Beginne muß bald der großzügige Ausbau folgen. Unsere Jugend im Verbände dlarf diese Forderung gegenüber den „Alten" innerhalb der deutsch-jüdijchen Gemeinschaft erheben. Sie hat aber zuerst die sittliche, die jüdische Pflicht, den Gedanken der Frübehe Wirklichkeit «erden zu lassest. Ein wenig Mut, viel Genügsamkeit und ein hohes Maß von freudiger Lebcnsbejahung — das sind die „inneren" Kräfte, — die ihr hierbei hilfreich zur Seite stellen werden. Meine Freunde! Wir sind am Ende einer langen gemeinsamen. Wanderung. Und angesichts des Schlußsteins der Gcdänkenbrück^, «ber die wir Miteinander gingen, werfen wir noch einmal .einen - 3*

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