Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 6/8 (Oktober/Dezember 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 183 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 183 Matze unter der zeitweiligen Enthaltsamkeit, die er sich selbst auferlegte. Tie meisten von ihnen — und das hervorzuheben halte ich für meine besondere Pflicht — pflegten vorbildliche Freundschaft mit' edlen Frauen, und das hat unzweifelhaft ihren Vorsatz gestärkt, ihre Stärke der Enthaltsamkeit gestählt. Um auch nicht den kleinsten Bodensatz an Zweifel zu hinterlassen, betone ich noch, datz keiner der sittlich Starken meines Beobachrungskreises etwa „geheimer Sünde" frönte und dadurch sein Nervensystem schädigte. Was aüer war's, das diese.jungen Menschen über den gesunden Durchschnitt ihrer Altersgenossen emportrug? Ich betone ausdrücklich, datz wir nur Jugend von durchaus gesunder Fügung und gesund entwickeltem Triebleben gegeneinander wägen wollen; alles krankhaft Entartete bleibe unserer Betrachtung fern. In jenen sittlich Starken wirkte das höher-geartete sittliche Verantwortlick)keitsgefühl, der vorsätzliche, eherne Wille, in jedem Weibe die Schwester zu grüßen, keiner die Ehre zu mindern, der Schwachwilligen eingeborenes Schamgefühl zu stützen und nie aus weiblichem Erröten Mut zu schöpfen. Und schon, habe ich Ihnen das Zauberwort genann't, durch das allein die Reform der heutigen Geschlechtssitten gewährleistet wird. Es heißt Wille,— Wille zur reinen Lebensführung! Frei ist unser Wille. Dies ist unsere Größe, dies ist oft unser Elend. Denn wir sind .ungebunden in der Entfaltung unseres Willens, so sind wir zugleich in jungen Jahren über seine'Steuerung nur zu oft im Unklaren. Unsere Erzieher sollten Richtung gebend sein, und sie versagten zumeist bisher so kläglich. Charakterbildung bedeute künftighin bei jungen Menschep um die Zeit der geschlechtlichen Reifung E i n st e l le n desjugend - lichen Willens auf das Sittliche. Und wenn alle zur Jugenderziehung Berufenen in Zukunft dies als ihre heilige Ausgabe betrachten, dann und nur dann wird's unseren Jünglingen nicht allzuschwer fallen, ihren Fuß von schlüpfrigen Pfaden fernzuhalten. Nicht Aufklärung über die Gefahren außerehelicher sexueller Betätiguug und über die üblen Folgen der Geschlechts-Krankheiten sei bieerste Aufgabe der Lehrer in der Sexual-Hygiene, nicht Weckung von Furcht, denn das ist ein negativ-schwächlicher Wert und Besitz. Ueber die Natürlichkeit triebhafter Regungen im jungen Manne muß aufgeklärt. werden, im gleichen Atemzuge aber auch über die Pflicht, den Willen zur Reinheit bis zur Ehe als Hüter über den Tri;b zu setzen. Und statt der Scheu vor körperlichem Erkranken t sind die Tugenden des Mutes, der Ritterlichkeit, der Tapferkeit» wachzurufen und zu preisen. Ist in diesen vorbeugenden, erziehlichen Maßnahmen die wichtigste und entscheidende Aufgabe gestellt und zugleich das einzige Mittel zur ivahren Reform der Sexualethik gegeben, io harren der Jugendbilduer doch noch manche Pflichten und damit noch manche Möglichkeiten au^den -sittlichen Entwicklungsgang der Jugend jVstaltenden Einfluß zu nehmen. Turnen, Wandern, Sport und Spiel ickmffen wohlige Müdigkeit, übertönen die mitunter ausbegchrende Gier des Triebes und benehmen mit der Müdigkeit die Neigung, ihm nachzugebqn. Drum laute die Losung aus ethischen. Gründen: Ausbau unserer Turn-, Wander- und Sportgruv-