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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-07-01 · 3/5 (Juli/September 1919) · p. Seite 144

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
3/5 (Juli/September 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 144 (sequence 96)
Language
German
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144 die einzelnen Redner ganz recht, und darauf ist zu dringen, es ist auch von Geheimrat Fuchs darauf gedrungen ttforden: In der Ausländerfrage können wir nicht nach der alten Schablone arbeiten. Die Ausländer müssen berücksichtigt werden; es dreht sich eigentlich nur um die Frage, ob ein Jahr oder zwei Jahre Karenzzeit. Mögen wir das in unserer Resolution unterstreichen in einer Form, daß die Vertreter des Verbandes ersucht werden, ganz besonders darauf zu achten, dah den ausländischen Juden in weitmöglichstem Maße das Wahlrecht gewährt werden, dagegen ist wohl nichts zu sagen. (Zustimmung.) Ich habe Ihnen heute morgen mancherlei von der Kongreß- - bewegung erzählt. Sie haben mir erlaubt, in dieser Stunde auch rückhaltlos Persönliches zu sagen, und so darf ich wohl darauf Hinweisen: Wenn es jetzt eine große Kongreßbewegung in Deutschland gibt, und nicht nur die von zionistischer Seite angeregte, dann darf ich mir — und das werden mir die Herren des Centralvereins bestätigen — einen ganz erheblichen Teil des Verdienstes zuschreiben. (Lebhafter Beifall.) Als ich im letzten Winter das Kongreßreferat, das Ihnen gedruckt zugesandt worden ist, in einer Verbandsveranstaltung hielt, habe ich lan^e überlegt: T«rf ich meinen Verband festlegen, ehe die Delegiertenverscjmmlung stattgefunden hat? Ich muß sagen, ich war vor dem Referat recht ängstlich, so ängstlich, daß ich mir fast jedes Wort vorher ausgeschrieben hatte. Das Referat hatte Erfolg. Ich hielt dann das gleiche Referat im Vorstand des Centralvereins. Führende Herren des Centralvereins haben mir nach diesem Referat gesagt: Lieber Apfel, wir sind in die Sitzung gekommen mit dem Gedanken gegen den Kongreß, wir haben ihn für eine zionistische Angelegenheit gehalten. Sie haben mich umgestimmt. Und der Centralvereins-Vorstand hat damals eine Resolution für den Kongreß angenommen, allerdings waren drei Stimmen dagegen. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, daß es wir drei Jugendvereinler waren, Cora Berliner, Brodnitz und ich, weil wir etwas mehr haben wollten, als in der Resolution beim ersten Ansturm zu erreichen war. Wie dann Geheimrat Eugen Fuchs diese Sache aufgegriffen hat, ist ganz bewunderungswürdig, und ich möchte Ihnen sagen, den Schwung wünschte ich manchem von uns. T«r Gedanke, daß wir einen Kongreß haben wollen, ist schon bedeutsam, daß wir den Kongreß in absehbarer Zeit nicht haben werden, ist für mich leider sehr sicher. Das liegt u. a. daran, daß für manchen der Kongreß r u m m e l wichtiger war, als der Kongreß selbst. Es liegt aber auch an etwas, >vas einmal mit Schwefel und Pech aufgeräumt werden müßte, nämlich an den Eifersüchteleien bestimmter Organisationen, bestimmter Persönlichkeiten. Wir leiden unter Leuten, die sich in einer Messiasrolle gefallen und jede Bewegung, vielleicht ohne es selbst zu wissen, nur danach beurteilen, wieweit sie ihnen persönlich Respekt und Ehrfurcht entgegenbringt. Es muß einmal ganz gründlich und rücksichtslos mit manchen sogenannten führenden Persönlichkeiten auf-

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