Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 134 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Loch schon zu bedenken geben, uns zu fragen: Wie ist das denn eigentlich mit der Neutralität? Ist das nicht etwas, was wert ist, erhalten zu werden?, und kann es nicht erhalten werden? Es ist nun hier gesagt worden, der zweite Antrag von Herrn Dr. Apfel sei eine Aenderung des ersten und er sei auch keine Verletzung der Neutralität. Der Einwand, daß er eine Aenderung des ersten ist, ist schon widerlegt worden. Der § 2 in der zweiten Fassung enthält ein positives Programm, das ich unterschreibe und das auch die südwestdeutschen Vereine mit unterschreiben, bis auf die Betätigung „vaterländischer Gesinnung", weil diese Worte nichts anderes sind als eine Hereinnahme des ersten unter § 1 des vorgeschlagenen Antrages in einer Verhüllung oder Verbrämung in den 8 2. (Sehr richtig!) Ein positives jüdisches Programm können wir aufstellen, haben wir aufgestellt, haben wir vor allen Dingen betätigt. Wir haben doch schon in den 10 Jahren gearbeitet (sehr richtig!), auch ohne daß es in den Statuten stand. Ein positiv jüdisches Programm kann aufgestellt werden, ich gebe <as zu, aus taktischen Gründen. Ich habe auch nichts dagegen. Aber der Ausdruck der Pflege „vaterländischer Gesinnung" hat mit unserem positiven neutralen jüdischen Programm nicht das geringste zu tun. Ich erkläre hiermit, daß ich in Anspruch nehme, ein ebenso guter Patriot zu sein wie jeder der Vorredner, die behaupten, man müsse vaterländische Gesinnung demonstrieren, man müsse sie überall zur Schau tragen. (Beifall.) Ich gehöre einer Familie an, die seit über 100 Jahren nachweisbar in Württemberg begütert ist und als Landbauer gelebt hat, was vielleicht von wenigen der hier Anwesenden gesagt werden kann, und ich fühle mich mit dem deutschen Grund und Boden fester verwachsen, als die meisten derjenigen, die hier gesprochen haben. Ich erkläre, daß ich keinen Zweifel an meinem Patriotismus aufkommen lasse. Ich habe die Beweise in jeder Beziehung, so gut wie irgendein anderer erbracht. Und ich erkläre in Uebereinstimmung mit meinen patriotischen Gefühlen, daß ich es nicht für notwendig halte, die Pflege vaterländischer Gesinnung in das Programm unserer jüdischen Jugendvereine als positiven Programmpunkt aufzunehmen. Ich möchte das kurz begründen. Ueber den Zeitpunkt des Antrages berufe ich mich zunächst zum Gegenbeweis für den Antrag Apfel auf niemand geringeren als Herrn Dr. Apfel. Herr Dr. Apfel hat uns heute in seinen einleitenden Worten gesagt: Momentan ist alles in Gärung, es ist alles in einem Zustande der Bewegung und der Fluktuation begriffen; innerpolitisch, jüdisch, wenn ich mich so ausdrücken darf, und in der uns umgebenden deutschen Mitwelt. Kein Mensch kann heute sagen, wie die Verhältnisse sich gestalten, niemand von uns Anwesenden ist danach berufen, ein Urteil abzugeben, was aus dem allen werden wird. Nur eins wissen wi»: Wir Juden sind in Deutschland in sehr heikler und sehr schwieriger Situation. Das wissen wir, und diese Situation wird nicht besser, sie wird vermutlich poch schlimmer werden. Wir Juden haben alle gegenwärtig die Verpflichtung, nur im allerdringendsten Notfälle trennende Momente zu betonen und wir haben an-