Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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112 versuchen, mich möglichst kurz zu fassen, und ich will niemandem Komplimente machen. Was zunächst die Kongreßfrage anlangt, so stimmen wir der uns vorgeschlagenen Resolution des Herrn Verbandsvorsitzenden bezw. der Verbandsleitung restlos zu. Dagegen würden wir es bedauern, wenn eine Abänderung, wie sie vorgcschlagen ist, erfolgen würde. Für unser Gefühl ist es nicht erträglich, daß bei einem Kongresse, der auch über die Angelegenheiten der deutschen Juden im Verhältnis zu ihren Staaten und ihrem Reiche Beschlüsse fassen soll, die # Wahlmöglichkeit auch fremden Juden gegeben wird, nicht bloß pol- ' nischen und russischen, sondern auch sonst feindlichen, etwa franzöfischen oder englischen, die sich in Deutschland aufhalten. Ich bitte, es in dieser Hinsicht bei dem vorgeschlagenen Wortlaut zu belassen. Es handelt sich hier eben um eine auch für unsere Innenpolitik bedeutsame politische Aktion, und da wollen wir keinen Ausländer, lediglich deshalb, weil er mit uns der gleichen jüdischen Gemeinschaft angehört, mitreden lassen. Ich meine, soviel vaterländisches Empfinden wollen wir in diese gleichzeitig vaterländische und allgemein-jüdische Angelegenheit mit hineintragen. Was die Palästina-Arbeit anlangt, so habe ich gleichfalls zu erklären, daß wir den Worten des Verbandsvorsitzenden restlos beipflichten. Ich begrüße auch den Antrag, eine Kommission zur praktischen Förderung dieser Frage cinzusetzen, und will der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese Kommission raschere und bessere und praktischere Arbeit leisten wird, als es Kommissionen c^fahrungsgemäß leider gewöhnlich tun. Nun zur Frage der Neutralität! Ich möchte-vorausnehmen das Verhältnis des Verbandes zum Centralverein. Ich bin selbst Cen» tralvereins-Mitglicd. Ich opponiere gegen die Leitung des Centralvereins nicht.- Ich sage aber, ich bedauere, daß eine Verkoppelung zwischen Verband und Centralverein eingetreten ist, daß einerseits der Centralverein seit mehreren Jahren in unserem Verbandsvorstande ist und das andererseits die Verbandsleitung auch im Central* verein im Vorstande ist. Ich glaube, daß die Tendenzen der beiden Organisationen, des Verbandes und des Centralvereins, dadurch nur wechselseitig behindert werden (sehr richtig!), und das ist mir in meiner Eigenschaft als Mitglied eines neutralen Jugenobundcs und in meiner Eigenschaft als Mitglied des Centralvereins im beiderseitigen Interesse unlieb. (Sehr richtig!) Ich glaube, beide würden besser fahren, der ganze neutrale Jugendverband und der Centralverein, der infolge der Angriffe von zionistischer Seite in einen Kampf gegen den Zionismus gedrängt worden ist, wenn sie ganz unabhängig von einander, jeder für sich, ihre Aufgaben dertreten würden. Es gibt einzelne Punkte, wo sie sich gegenseitig, insbesondere der Centralverein den Jugendverband, werden fördern können. Aber das sind eben nicht alle. Gegenüber Herrn Justizrat Brodnitz und seiner Aeutzerung bezüglich der Kameraden möchte ich hier sagen: wenn die jungen Leute zu ihm kamen und sagten: wir