Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 76 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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76 digung gegeben und geschlagen zu sein scheint. Und ich hege zu den verehrten Delegierten und zu den Verbandsvereinen das Vertrauen, 'daß es gelingen wird, ohne Gefährdung der Existenz des Verbandes und ohne Preisgabe des Neutralitätsprinzips und seiner bisherigen Arbeitsmethoden über die kritische Fragestellung hinwegzukommen, die heute hier zur Debatte steht. Denn, meine Damen und Herren, wirklich kritisch ist hierbei jetzt nur noch die formale und nicht eigentlich die materielle Fragestellung. Ich verstehe sie nach den Ausführungen des Herrn Verbandsvorsitzenden vr. Apfel nunmehr wie folgt: Deutschland liegt besiegt politisch und wirtschaftlich zusammengebrochen ani Boden. (Rufe: Und moralisch!) In dieser Not des Vaterlandes will die in unseren neutralen Vereinen zusammengeschlossene jüdische Jugend ihre Vaterlandsliebe bekunden. Hierzu bedarf es auch nach Ansicht der Großloge keiner Aenderung des Verbandsstatuts (sehr richtig!), insbesondere seiner Aenderung seines Neutralitätsprinzips. (Sehr richtig!) Das Moralische versteht sich von selbst (Beifall) und der Patriotismus versteht sich von selbst. (Beifall.) Er versteht sich innerhalb des Verbandes der jüdischen Jugendvereine umsomehr von selbst, als er bereits bei der Begründung des Verbandes grundlegend in aller Form festgelegt wurde. Das steht dokumentarisch fest. Die beschränkte Redezeit macht es mir nicht möglich, Ihnen die einzelnen Stellen ausführlich zu zitieren. Halten Sie aber nun in der jetzigen Zeit auch mit dem Blick auf die bewußt-politische nationale jüdisck>e Propaganda es für angezeigt, den Patriotismus, die vaterländische Gesinnung, die von vornherein — ich wiederhole das — zu den fundamentalen Grundsätzen des Verbandes gehört, in einer Resolution zu betonen, so braucht dies zu keiner statutarischen Aenderung zu führen (sehr richtig!) und darf vor allen Dingen zu keiner Kampfansage an den Zionismus führen. (Bravo! Und sehr richtig!) Jede weitere, die Jugend trennende stnd aussondernde Polemik mit dem Zionismus ist nach meiner Auffassung gar nicht TZache dts Verbandes neutraler jüdischer Jugendvereine. (Sehr richtig!) In diesem einen Punkte kann sich der Jugendverband nicht restlos und uneingeschränkt den 'Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zum Vorbilde nehmen (sehr richtig! und Bravo!), so sehr wir alle sonst auf seinem Standpunkte stehen: denn der Zentralverein ist ein ausgesprochener politischer Kampfverein, und er muß es sein. Weit eher empfehlen wir Ihnen, sich an das Vorbild unserer Logen zu halten, die nach wie vor Vereinigungen jüdischer Männer der verschiedensten Ueberzengungen und Anschauungen sind und bleibet wollen. (Rufe: Patriotismus!) Ter Patriotismus ist, wie ich das ausgefübrt habe, so sehr selbstverständlich (Zuruf: Steht aber darin.), daß er nicht in unseren Satzungen enthalten ist (Rufe: Ahal), sondern — ich darf es, glaube ich, verraten — in unseren Ritualien festgelcgt ist (Hört, hört!), in den Ritualien, die wir an jedem Sitzungsabend zu verlesen pflegen. (Rufe: Also noch viel mehr» Meine Damen und Herren, ich sagte ja, daß ich rn dem Kompromißantrage des Herrn l)r. Apfel, die selbstverständliche vaterländische Gesinnung