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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-07-01 · 3/5 (Juli/September 1919) · p. Seite 61

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
3/5 (Juli/September 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 61 (sequence 15)
Language
German
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61 Die Behauptung, daß es nicht zu dem Aufgabenkreis eines jüdischen Jugendvereins gehöre, die vaterländischen,Probleme zu erörtern, ist zweifellos unbeachtlich. Eine Bewegung, die den ganzen jungen Menschen sittlich und geistig beeinflussen will, hat mit den ihr Anvertrauten sehr ernst und eindringlich zu erörtern, was Gemeinsinn und vaterländisches Pflichtgefühl bedeutet. Sehr ernst zu nehmen sind nun folgende Einwände gegen den Antrag in der vorliegenden Form: Durch die programmatische Betonung znm Deutschtum werde in viele Ortsvereine, in denen man nach mühseliger Arbeit Zionisten und Nicht-Zionisten zu fruchtbringender Tätigkeit vereinigt habe, Zwiespalt hineingetragen. Es wird auf viele kleinere und mittlere Vereine verwiesen, die von dieser Problemstellung noch ganz unberührt sind. Das ist ein ernster Eintvand. Verständlich ist auch, wenn gesagt wird, wir haben nicht not- >vendig, unsere Vaterlandsliebe ostentativ zu betonen. (Sehr richtig I) Gewiß! Gegenüber den Andersgläubigen haben wir das nicht notwendig. Dem stinime ich rückhaltlos bei. Wenn ich dafür bin, sie jetzt zu bekunden, so tue ich es nur Juden gegenüber. (Sehr richtig! — Rufe: Aha!) Ich tue es in dem Bewußtsein, daß heute zu sagen Pflicht ist, was früher selbstverständlich erscheinen mochte. (Zuruf: Heute noch selbstverständlicher!) Zumal ich in zahllosen Erörterungen über meinen Antrag erkennen mußte, daß, nicht bei allen Gegnern ein warmes Verständnis für die Gedankenwelt und für die Herzensnot, aus der der Antrag geboren ist, besteht. Bei wem fand der Einwand wohl mehr Widerhall, der besagte: bewahrt dem Jugendverbande die ihm eigenen Nöte^wie bei mir! Meinen Sie, daß es mir nach zehnjähriger Mühe, nachdem ich mit diesem Werke verwachsen bin, leicht wird, auch nur den Anschein zu' envecken, als ob ich unserem Verbände das Gesetz des Handelns von dem Kampfe der Zionisten und Nicht-Zionisten vorschreiben lassen, wollte? (Rufe: Jawohl!) Und um meinen ehrlichen Willen zu brkünden, der Verbandstreue der meisten Gegner des Antrages gerecht zu werden, und da nun einmal gegen meinen Willen der Antrag in der jetzigen Fassung als antizionistischer Fanfarenstoß aufgefaßt worden ist, will ich ihn in der vorliegenden Form zurückziehen. (Sturnnscher Beifall.) Auf einstimmigen Beschluß des Verbandsvorstandes bringe ich, ehe ich die anderweitige Formulierung meines Antrages bekannt gebe, zunächst nachstehende Entschließung ein: „Der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands macht es seinen Mitgliedern zur heiligen Pflicht, ihre ganze Kraft für den Wiederaufbau des Vaterlandes einzusetzen'. Er erwartet, daß jedes seiner Mitglieder nach Maßgabe seines Könnens und innerhalb seines natürlichen Wirkungskreises zur Erzielung und Festigung des vaterländischen Gemeinschastsgefühls und einer idealen Weltanschauung beitrage." (Leb- Hafter Beifall.) Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

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