Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 59 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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I — Ö9 — Zionisten. Mit innigem Gefühle begleite ich die Palästina-Arbcit (Zuruf: Wirklich?), und jeder politische Rückschlag bei dieser Arbeit erfüllt mich mi.t Wehmut. Und bitter verhaßt ist mir das philiströse Lächeln mancher Juden, die sich über derartige Rückschläge freuen können. Palästina ist ein heiliges Land für jeden Juden, der nur ein wenig Pietätsgefühl besitzt. (Sehr richtig!) Wenn heute Millionen Juden wieder ein Volk sein wollen, dann ist das eine Tatsache von ungeheurem Ernste, die in nichts nachstehl dem Willen meiner Person und meiner Gesinnungsgenossen, die nur zum deutschen Volke gehören wollen. Es liegt nach dem Vorhergesagten auch nicht der geringste Anlaß, vor, vom Standpunkte unserer Organisation aus dem Zionismus nicht die gleiche warme Sympathie entgegenzubringen wie jeder anderen auf ein bewußtes lebendiges Judentum gerichteten Bewegung. , Nach dieser wohl unmißverständlichen Erklärung würde ich mich einer Pflichtvergessenheit schuldig nrachen und nicht objektiv' referieren, wenn ich nicht auch auf diesem Delegiertentage wie auf den letzten den allerschärfsten Protest gegen die offizielle Stellungnahme der deutschen zionistischen Partei gegen uns erhöbe. Noch immer besteht jene Posener Resolution, die die Zionistische Vereinigung Deutschlands Pfingsten 1912 angenommen hat, die, prägnant ausdrückt, sagt: ihr dürft zwar in den Jugend-Verband hineingehen, aber dort nicht Mitarbeiten, also aus Hochdeutsch: seid Aufpasser! Gegen diese Resolution, die ein erheblicher Schönheitsfehler, in der angeblich nur schnurgerade gehenden zionistischen Politik ist, hat. sich bis zur Stunde noch kein Zionist öffentlich gerührt. (Hört, hört! - Rufe: Doch!) Die empfindsame Rücksichtnahme, die die Zionisten von uns verlangen, obschon fast der gesamte Verband aus Nicht-Zionisten besteht, — die Gewohnheit unserer Mitglieder, die Zionjlte" wie ein rohes Ei zu behandeln, haben doch nur dann eine wirkliche Berechtigung, wenn tatsächlich von einer größeren Anzahl von Zionisten ernst und loyal bei uns mitgearbeitet wird. Und das ist nur in ganz wenigen Vereinen der Fall. Da hilft keine Beschönigung. (Sehr richtig!) Ich muß sagen, daß ich solange gegen das neuerdings so heftige Eintreten mancher Zionisten für die angeblich gefährdete Neutralität unseres Verbandes von stärkstem Mißtrauen erfüllt bin, solange die Zionisten sich mit wenigen Ausnahmen von unserem Verbände fernhalten. (Sehr richtig!) Das allertraurigste Kapitel aber in der Geschichte der jüdischen Jugend-Bewegurig ist das Verhalten der Zionisten im März 1918 bei der geplanten Verständigungsgemeinschaft der jüdischen Jugend- Organisationen Deutschlands gewesen. (Stürmisches Sehr richtig!). Das bisher von keiner Seite öffentlich gemißbilligte Verhaften der meisten zionisftschen Wortführer bei jener Zusammenkunft widersprach, gelinde ausgedrückt, den Grundsätzen von Treu und Glauben und hat das Niveau des innerjüdischen Kampfes tief herabgedrückt. Wenn wir weiterhin von der Zusammenarbeit mit den Zionisten und' von der wünschenswerten gegenseitiegen Befruchtung sprechen, dann 9*