Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 57 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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otischen Seite eine schmerzliche Lücke aufzuweisen scheint, indem eS dem Anteil der deutschen Juden am Wiederaufbau des Vaterlandes nicht zum Gegenstand der Kongretzberatung macht. Ich kann es mir nämlich nicht vorstellen, datz heute die gewählten Vertreter der deutschen Judenheit zusammenkommen, ohne vor Zollen Dingen zuin Schicksal ihres Vaterlandes Stellung zu nehmen. (Sehr richtig!) Und daß auch die jüdische Jugend Deutschlands dies bei ihrer ersten Zusammenkunft in unzweideutiger Weise tut, war der Hauptzweck meines Antrages zu § 1 der Verbandssatzungen. Dieser Antrag, der dahin geht, unseren Willen zur Pflege eines bewußten Judentums auf deutsch-vaterländischem Boden zu bekunden, ist einzig und allein arrs der Not meines Herzens und aus der leidenschaftlichen Sorge r!m mein geliebtes Vaterland geboren. (Bravol) Denn dieses Vaterland ist zusammengebrochen wie kaum je ein Land zusammenbrach. Daß es den Krieg verloren, ist hart, ober ein, Schicksal, das auch anderen großen Völkern nicht erspart geblieben ist. Daß ihm Land und Leute entrissen wurden, ist. ein Nackenschlag, aber nicht ohne Beispiel in der Geschichte. Aber keinem Lande ist das entsetzlichste Unglück widerfahren, das einstolzes Land treffen kann, daß nämlich ein erheblicher Teil seiner Bürger nicht mehr an es glaubt, nicht mehr an seine Gegenwart, geschweige denn an. seine Zukunft. Ein Grausen, ein unüberwindlicher Ekel saßt mich an. wenn ich die Konjunktur-Deutschen sprechen höre mit der zynischen Rede „nur schnell heraus aus diesem Landei" (Sehr richtig! und Bravo!) In dieser Schicksalsstunde hat Deutschland das Recht, an jedes seiner Kinder die Frage zu richten: gehörst>du zu mir oder nicht? (Sehr richtig!) In dieser Stunde müssen wir Juden, vergessen, was wir in Deutschland srlitten haben und noch erleiden. Wir dürfen nur eingedenk dessen'sein, was wir diesem Lande verdanken und daß wahres -Bürgertum nicht nur Genossenschaft im Glück, sondern auch im Leid bedeutet. (Lebhafter Beifall.) WaS Deutschland heißt, kann letzten Endes nur der ermessen, der die Jahrhunderte lange nationale Sehnsucht, die Leiden und Kämpfe um die Errichtung dieses Reiches kennt, der es mitempfunden hat, mit welcher Leidenschaft und Pflichttreue Juden wie Gabriel Messer, Läsker und Bamberger, den besten Teil ihres Lebens dem Aufbau der Nation gewidmet I)aben. Es kann ja gar keinem Zweifel unterliegeck! daß, wie auch die Dinge in den nächsten Monaten sich gestalten mögen, selbst wenn - alles drunter und drüber geht und Deutschland die äußersten Demütigungen über sich ergehen lassen muß, der Wiederaufbau Deutschlands die Parole sein wird. Eine geläuterte, aber tiefe nationale Sehnsucht wird zunächst als stille, dann als lodernde Flamme alle ergreifen, und insbesondere die Jugend. (Sehr richtig!) Dann wird für die meisten von uns die große und schöne Zeit ihres Lebens kommen, die getragen lvird von dem erhabenen Gefühl, in treuer, schlichter Pflichterfüllung aus dem Platze, wo die Natur und das Schicksal uns hingestellt hat, dem Heimatlande zu dienen, für das unsere Besten gefallen sind. (Lebhafter Beifall.) Wer sich nicht in seinen Verein verkrochen und wer keine