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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-07-01 · 3/5 (Juli/September 1919) · p. Seite 55

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
3/5 (Juli/September 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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55 des Mandates zur Neuordnung an eine jüdischeKonstituante in Deutschland, nämlich an einen Kongreß. Die Kvngreßbewegung setzte in Deutschland mit Beginn der Revolution ein. Sie ging von zionistischer Seite aus. Man dachte sich dort die Bewegung als TeU einer Weltkongreß-Bewegung. In jedem Lande, also auch in Deutschland, sollte ein Kongreß aus demokratischen Wahlen aller derjenigen Juden hervorgehen, die sich als Teile des jüdischen Volkes betrachteten. Sämtliche Kongresse sollten bann ihrerseits wieder zusammentreten zum jüdischen Weltkongreß, der gewissermaßen die Konstituante des jüdischen Volkes darstellen soll. Als man sich in Deutschland energisch gegen di« Hauptvoraussetzung der Wahlfähigkeit wandte, daß sich nämlich der Wähler als zum jüdischen Volke zugehörig betrachten müsse, wurde dieser Volksbegriff von zionistischer Seite vielfach sehr entgegenkommend interpretiert. Weiter wurde die geschickte und beachtliche Behauptung aufgestellt, daß durch die Teilnahme an dieser Weltkongreß-Bewegung die deutschen Juden den gelockerten Zusammenhang mit der Gesamt- Judenheit wiedergewinnen könnten, dessen sie gerade heute mehr denn je bedürften. Wenn sich auch der deutsche zionistische Delegi'ertentag für einen solchen Kongreß aussprach, so.bestand und bestehtunter den zionistischen Maximalistcn eine erhebliche Skepsis, ja sogar Gegnerschaft gegen den Kongreß, da sie durch die Kvngreßbewegung eine Verwässerung der zionistischen Arbeit befürchten, umsomehr, als man heute derartige Kompromisse mit Nicht-Zionisten nicht inehr nötig Habe. Die zionistische Kongreßbewegung ging zweifellos auf eine Demonstration zugunsten des Zionismus hinaus, und sie war ferner auch wohl dazu bestimmt, die Position der deutschen Zionisten innerhalb der zionistischen Gesamtbewegung wieder zu stärken, indem man, wenn man die gesamte deutsche Judenheit zur Teilnahme an einem Kongreß veranlaßte, das als einen erheblichen- Erfolg buchen konnte, zumal die Kongresse in den übrigen Ländern doch alles andere als Gesamt-Kongresse der dortigen^Fuden darstellten. Trotz aller Bedenken erlaubte ich mir auf einem der vom Verbände im vergangenen Winter hier in Berlin über brennende Gegenwartsfragen veranstalteten Erörterungsabende in einem eingehenden Referate, in dem ich mich bemühte, das Für und Wider objektiv abzuwägen, die Bewegung zu einem jüdischen Kongreß, in Deutschland als eine unbedingt zu fördernde darzustellen. Der Einwand, daß die Kongreßbewegung von Zionisten ausgehe und schon allein deshalb zu verwerfen sei, ist für unsere Denkungsart zu töricht, um länger dabei zu verweilen. Nebenbei bemerkt, ich wünschte nur, daß einmal diejenigen Juden, die . lediglich auf religiösem Boden stehen, dem Heißhunger der deutschen Juden und insbesondere der Jugend nach einer großzügigen Propagierung der religiösen Ideen auch nur annähernd so gerecht werden würden, wie das bei den Zionisten bei der Propagierung ihrer nationalen Ziele der Fall ist. (Sehr richtig I) Ich hielt das gleiche Referat im Vorstande des Zentralvereins, dessen Leitung erkannte, daß hier eine Bewegung einsetzte, die einen ausgezeichneten Kern zur Klärung und Konsolidierung der

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