Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 3/5 (Juli/September 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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50 Seelen. Erst damals wußten wir, wie tief wir sie liebten, weshalb wir sie liebten. Die Sterne leuchten immer am Himmelszelt. Aber erst, wenn die Nacht ihre schwarzen Schleier über den Himmel spannt, werden die stillen Sterne sichtbar. So lange der Freund neben uns, mit uns durchs Leben geht, nehmen wir alle seine Treue und Freundschaft hin, ohne zu grübeln, ohne zu klügeln. Wenn aber der Freund uns zum letzten Male ins Auge schaut, wenn sich unsere Hand zögernd aus der seinigen löst, dann wissen wir, was wir an ihm lieben. So erging es uns, meine Freunde, in dieser Stunde ernsten Scheidens. In ihr wurde uns offenbar: Wir liebten in ihnen unsere Zukunft; wir glaubten, daß sie einst die Banner unserer Ideale, wenn unsere Hände erlahmt, in treuen Händen-hoch halten sollten: wir hofften, daß sie das Werk weiterbauen sollten, das wir als Bruchstück' dereinst auf dieser Ende lassen würden: wir dachten, daß sie die hohen Gedanken unseres Bundes siegreich in die Welt hinaustragen sollten und alle Widerstände brechen, die wir nicht überwinden gekonnt. Und dann kam die bittere bange Kunde vom Sterben der Vielen. Es ging ein Schluchzen durch unser Vaterland. Wir blickten alle wie durch Tränenschleier. Ganz Deutschland glich einer einzigen Trauergemeinde. Gab es ja bald kein Haus, dem nicht der Sohn, der Gatte, der Prüder, der Geliebte draußen gefallen. Noch brennen Millionen offener Wunden. Da ist es uns, den Ueberlebenden und den Kommenden, ein ernstes Bedürfnis, ein Seelenverlangen, bevor wir das Werk, unser Werk, das auch ihr Werk gewesen ist, wieder aufnehmen, den teuren Toten die erste Stunde unserer neuen Gemeinschaft zu schenken. Aber wir können nicht ihrer als der Toten gedenken, deren Staub draußen modert. Wir spüren es: die Lebenden grüßen die Toten, die Totey grüßen die Lebenden, und das Prophetenwort (Jesaja 26. 19) klingt durch den feierlichen Ernst dieser Stunde: „Deine Toten leben 1" Wohl wissen wir wenig vom Leben nach dem Tode. Noch hat kein Weiser die letzten Rätsel enthüllt. Wo aber die Weisheit schweigt, spricht die Liebe. Wir ahnen die Ewigkeit über der Endlichkeit. Wir spüren, wir fühlen gleichsam den Herzschlag ihrer Herzen in unseren Herzen fort. Die Kräfte, die einst in ihnen gelebt, strömen von ihnen zu uns über und werden lebendige Triebkräfte für unser Schaffen. „Deine Toten leben!" Wir erbauen uns an ihrem stillen Heldentum: wir sonnen uns in ihrem Sterben. Und wenn sie wiederkommen, die uns das Kindesrecht am MuAerboden unseres Vaterlandes versagen, dann wollen wir unseren Lästerern vom stillen