Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 242 (sequence 218)
- Language
- German
- Belongs to
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242 so gern ich durch einen Kompromiß die Angelegenheit zu Ende geführt haben möchte — ich persönlich kann nicht weiter gehen als bis zu dem Worte „soll" (Bravo!) und erkläre für mich — und ich glaube, für viele andere —, daß ein Weitergehen ausgeschlossen ist, und wennH es bis zur letzten Konsequenz geht. (Sehr richtig!) ' vr. Jsi Kahn: Meine Tomen und Herren, es ist eigentlich sehr traurig, daß wir am Schluß unserer sonst einmütigen Debatte über eine solche Sache uns noch so lange aufhalten. (Sehr richtig!). Nicht in dem Sinne, verehrte Herren, die da „sehr richtig" meinen, in dem Sinne des Herrn Borredners, sondern vom Standpunkt des geraden Gegenteils. Wir als Volljuden im Verbände können über solche Sache überhaupt nicht stolpern, denn an und für sich ist jeder ausländische Jude in jüdischen Dingen Jude. (Beifall.) Uebrigens überwiegt selbstverständlich im neutralen Verband nicht das eine noch das andere. Aber das, was wir treffen wollen und was wir ausmerzen wollen, ist nur die Unehrlichkeit beim Wahlrecht. Daß alle Juden eigentlich zur jüdischen Sache wahlberechtigt sem sollen, daran kann unter Juden, die das Judentum so auffassen, wie wir es verstehen sollen, keinerlei Bedenken existieren. Um auch ganz ehrlich zu sein — so wie der Herr Vorredner betone ich, daß, falls in der Abstimmung der „kann"-Antrag durchgeht mit Mehrheit oder nur mit kleiner Mehrheit, es mir lieber ist im Interesse des Ansehens unserer volljüdischen Jugendbewegung, als ein einstimmig angenommener Kom- Promißantrag, denn ich habe lieber nach außen hin die eine Macht, zu sagen: der Kongreß bezw. die jüdische Jugend hat sich entschieden für die Gleichberechtigung der Juden innerhalb der jüdischen Tagung, als daß ich mir sagen sollte, ich gebe den Gemeindemächtigen, die wiederum damit herumgehen, diese jüdischen Brüder auszuschlicßen, aucb nur eine Möglichkeit, sich auf den Willen der jüdischen Jugend zu stützen. Das möchte ich mit dem „soll"-Antrag vermieden wissen. Ich beantrage also lieber Abstimmung als das Kompromiß. Reichmann-Kattowitz: Meine Damen und Herren, ich muß mich gegen die letzten Ausführungen meines Herrn Vorredners deswegen wenden, weil er mir und meinen Gesinnungsgenossen unterstellt hat, daß wir uns mit Vorsatz dagegen wenden wollen, daß unsere jüdischen Mitbürger, die zufällig hier kein Heimatsrecht haben, bei uns zum Kongreß vorbehaltslos mitwählen sollen. Ich bin Vertreter der bedrohten Ostgebiete und ich kenne den Betrieb, der bei uns im Osten und in Oberschlesien herrscht, ganz besonders, wie jeden Tag und jede Woche eine große Anzahl von Glaubensbrüdern herüberkommen, einige Wochen bei uns bleiben und dann je nach Lage der Sache in der Gemeinde nach Auffassung des Vorstehers zur Wahl zugelassen werden können oder nicht. Um dem einen Riegel vorzuschieben unt um nur diejenigen, die wirklich eine Seßhaftigkeit innerhalb einer gewissen Karenzzeit erlangt haben, die Möglichkeit zur Wahl zu geben, habe ich das Wort „soll" verlangt. Ich könnte es auch sonst mit meinen allgemeinen Politischen demokratischen Ansichten gar nicht für vereinbar halten, jemand Rechte zu kürzen. Es ist auch gar kein Zweifel darüber, daß wir innerhalb des neutralen Verbandes meh-