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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 200

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 200 (sequence 176)
Language
German
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200 nichts hat, was einen denkenden Menschen hindert, Volljude auch in religiöser Beziehung zu sein. Weil diese Taufe eine so grobe Lüge ist, weil sie eine so furchtbare Feigheit ist, weil sie so unsinnig gerade in dieser Zeit ist, darum fühle ich mich veranlaßt^ diese Resolution hier einzubringen. ' Ist es doch eine ganz unglaubliche Erscheinung, daß seit der Revolution unnatürlicherweise geradezu Epidemien von Taufen einsetzten. Jedenfalls ist es Lug und Trug, lvenn -jemand mit der Begründung austritt, daß sein Verstand es ihm nicht ermögliche, in unserer Glaubensgemeinschaft zu bleiben. (Vorsitzender: Die Zeit ist um! Zurufe: Weiterreden lassen! Zustimmung.) Dann zu dem Punkte Mischehe. Seit dem Augenblick, ivo die jüdischen Speisegesede nicht mehr gehalten wurden, -ist die Mischehe im Fortschrciten gewesen. Das Judentum wußte, tvas auch nach dieser Richtung hin die Speiscgesetze für einen religiösen Damm bedeuten. Seitdem man mit der nichtjüdischen Bevölkerung ißt und trinkt, «st die religiöse Zersetzung Von Person zu Person größer geworden. Es ist doch ganz klar, daß, so lange diese Scheidewand bestand, auch die Annäherung erschwert war. So lange der jüdischpolnische Arbeiter unter den Massen der Fabrikarbeiter nicht mit atis dem allgemeinen Trog itzt, bleibt er seiner Rasse und seiner Gemeinschaft erhalten. In dem Augenblick, wo er diese Schranke fallen läßt, wird er einer von den vielen. Es gibt für ihr? keine bestimmten jüdischen Ideale mehr, alle jüdischen Begriffe tverden verwässert, wenn nicht vernichtet: Worum sollte er nicht auch von Mensch zu Mensch keinen Unterschied mehr machen und die Mischehe als etwas Selbstverständliches betrachten! Darum muß auch bei uns das Speisegesetz als eines der wichtigsten Instrumente zur Erhaltung unserer Genreinschaft betrachtet werden. Eine der größten Wunden unserer Zeit, inan möchte bald sagen die Schnlach unserer Zeit, besteht darin, daß die jüdische Gemeinschaft es sich gefallen läßt, daß an ihrer Spitze oft Männer führend stehen, die selbst in der Mischehe leben, die es zulassen, daß ihre Kinder getauft oder nicht in den Bund der Väter ausgenommen werden. Es ist auch eine Schmach für das Judentum und die Judenheit, daß selbst in sozialer Beziehung Männer führend sind, deren Kinder, sei es getauft oder in Mischehe leben. Wir habeH das nicht nötig. Es gibt Pdänner genug, die die Führerstellen bekleiden können und deren jüdisches Familienmilicu, wie das auch für-den sozialen Führer der Juden nötig ist, unbefleckt und unantastbar ist. Es liegt mir fern, die persönliche Ehrenhaftigkeit dieser Männer irgendwie anzutasten. Aber diese Persönlichkeiten sollen sich darüber klar sein, daß das unserer Gemeinschaft unwürdig ist und umgekehrt. Auch die Gemeinschaft sollte sich dieses nicht bieten lassen. (Sehr richtig!) Die Zeit glaubt, des Religionsmomentes entbehren zu können. Sie ist vollständig durchsetzt mit "den Ideen des Sozialismus. Viele meinen, daß das Judentum dem Sozialismus fremd gegenüberstände. Im Gegenteil, nirgendwo ist eine Lehre, die im Grunde sozialere Institutionell kennt als das Judentum. Daß der Sozialismus dem

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