Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 181 (sequence 157)
- Language
- German
- Belongs to
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— 181 — Borlaufe des Umsturzes aus wirtschaftlichen Gründen ein Kinderspiel gewesen sein gegen die dabei auftvetenden Schrecknisse. Die. heutige Kulturmenschheit ist gewarnt! Deuten wenigstens wir Juden die. Schristzeichen des Schicksals richtig, zum Heile für uns und die Menschheit, um sie vielleicht doH noch vor der entsetzlichen Menschendämmerung zu bewahren! Um aber unserer Berufung als Erlöser der Menschheit gerecht zu werden, gilt's erst unsere Selbstreinigung! Daruni, Ihr Freunde, gilt's diesmal ernste Arbeit. Ost genug habe 'ich für diesen Kreis junger Juden als Jude und. Mensch von sittlichem Verantwortlichkeitsgefühl über das Sexualproblem gesprochen und geschrieben. Ich bin glücklich, die Anregung zur Aussprache über diese schicksalhafte Frage in unsere Vereine getragen zu haben, bin stolz darapf, daß unser neutraler Jugendverband den anderen Gruppen der jüdischen Jugend auf diesem Gebiete beispielgebend voranschritt. Aber nun fordere ich Ta ton, verlange die Schlußfolgerung aus den seitherigen Erörterungen, wünsche eine unverkennbare Kundgebung für die umgehende Anbahnung der Reform der herrschenden Geschlechts-Sitten im Sinne der Ihnen vorgelegten Leitsätze. Schwinden muß die Auffassung, die bei uns deutschen Juden erst seit °3 Generationen herrschende Anschauung von der Berechtigung der „doppelten Moral"; auf Grund dieser unterschiedlichen moralischen Forderungen für Mann und Weib leitete bislang der junge Mann das Verlangen nach einem Freibrief für sein geschlechtssittliches Verhalten vor der Ehe ab, begehrte aber als Selbstverständlichkeit ein Weib zur Ehe,, das rein war und ist. Zerrissen sei der Freibrief und an seine Stelle trete die Forderung der Reinheit, der Keuschheit bis zur Ehe für Mann und Weib. Dieses Gebot hat seiye stärkste Stütze im Judentum und vor einer Versammlung bewußter Juden, zu denen ich vom Tatendrang aus religiösem Erleben sprechen durfte, banne ich, als Eideshelfer in dieser ernsten Stunde, den erhabenen, heiligen Geist unserer Bibel und ihrer Sittenstrenge. Erst vor 8 Tagen lasen wir im Wochenabschnitt „Nosan", daß bei Verdacht auf Verirrung einer Eheftau nur der Mann befugt ist, seine Gattin dem Gottesgerichte zu unterstellen, der selbst „frei von Schuld ist". Frei von Schuld ist aber nur der jüdische Mann im Sinne unserer heiligen Schrift nach einer unzweideutigen Stelle im Abschnitte „Mischpotim", dessen geschlechtliche Beziehungen sich ausschließlich auf die Ehe beschränken. Und als zweiten Zeugen für die Zuständigkeit meiner strengen „sittlichen Forderung" rufe ich die allgemein-menschliche Ethik in die Schranken. Sie muß dem Einwand begegnen, als ob etwa ein so weitgehendes Verlangen nur auf dem Boden des gesetztreuen Judentums und für seine Bekenner erhoben werden könne und Geltung habe. Sie kommt mit einem Aufgebot von mächtigen Kämpen: Schiller, der edle deutsche Heros, und Björnson, der reckenhafte nordische iDichter und Menschenfreund, der englische Philosoph Herbert Spencer, das leuchtende Dreigestirn deutscher Mediziner Forel, Gruber und Krafst-Ebing, W. Förster, der rühmlich bekannte Jugendbildner, und unseres Hermann Cohen würdevolle Gestalt mit dem feinen Haupte. — all' diese erlauchten Geister erheben die Rechte, um daS