Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 170 (sequence 146)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4926451-6352298-6352427--1692-4927781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

170 Dr. Löffler (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Meine Damen und Herren, liebe Freunde! Ein Jubelruf will sich auf meine Lippen drängen, da mir's vergönnt ist, zur lauschenden' jüdischen Jugend zu reden, von dem, was seit langem mir Herz und Sinne bewegt. Doch zugleich auch möchte ich betende Worte zum Himmel senden, daß mein Mund sich zum Guten öffnete, daß ich kluge Sprache und rechten Ton fände, um das zu sagen, wovon ich mir Heil und Glück für heutige und kommende Geschlechter/erhoffe. Religion und Sittlichkeit, meine Freunde, sollen die ragenden, mächtig aufwärts strebenden Eckpfeiler an der Gedankenbrücke sein, die wir kühnen Schrittes miteinander betreten wollen. Von den gewaltigen geistigen Strömungen soll^also heute zwischen uns die Rede fein; die die Menschen und Geschehnisse dieser Welt durchfluten und auf ihren brausenden Wogenkämmen tragen. Da erscheint mir's richtig und wichtig, zunächst einige Worte der Bitte, der Mahnung um Ausdauer bei unserm Wandern an Sie alle zu richten. Junge und schon reifere Menschen unterschiedlichen Standes und mannigfaltiger Alltagsinteressen sind hier zusammengekommen, um nicht nur an der Arbeit der im Verbände zusammengssschlossenen jüdischen Jugcndvereine m'tzuwirken, sondern auch von hier aus Anregungen m eigner Fortentwicklung und zur Bereicherung ihrer Freunde in der Heimat, nach den verschiedensten Gauen Deutschlands mitzunehmen. Manck-e mögen da unmittelbar greifbare, praktische Vorschläge, nach denen sich lehrhafte und gesellige Vorträge und Veranstaltungen in ihren Vereinen gestalten lassen, als zweckdienlichste Leistung unserer Tagung erachten und erwarten. Mich aber dünkt: das Wertvollste, was solche Zusamcnkünfte von Führern und Abgesandten der Jugend wirken können, ist, jedem Einzelnen, der von nah und fern, aus einer Großstadt oder kleinen Gemeinde kam, mit der G e i st i g k e i t zu erfüllen, die allein wahre und starke Schöpferkraft besitzt und die dann späterhin auch^einfache Taten adeln wird. Baut doch der Geist nicht nur. nach dem bekannten Worte des Dichters, den einzelnen Körper: nein, jede menschliche Schöpfung, mag sie.nun rein gedanklich oder materiell sein, gewinnt bleibenden Wert erst, wenn sie von großen Gedanken, von Ideen getragen ist. Wann wäre es aber nötiger und zugleich zeitgemäßer gewesen, ein Ruhmeslied auf die großen Menschheitsideen als die eigentlichen Triebkräfte der Geschichte und die steten Erneuerer des Völkerlebens anzustimmen als in unseren Tagen höchster menschlicher Not?! Was uns nach einem 4K** jährigen, furchtbaren Krieg, nach einem Ausgangs in Elend und Erniedrigung allein übrig blieb, ist die Hoffnung und Ueberzeugung, daß die erhabenen Gedanken, die die Welt eines Tages zum Glück führen' müssen, von materiellem Leid und zeitlicher Not unabhängig und unzerstörbar sind: ist zugleich die Erkenntnis, daß der tiefschmerzliche Zusammenbruch, dessen Zeugen wir sind, zu einem guten Teil durch Mangel an Geistigkeit, durch Mechanismus und Materialismus, durch das .Herjagen hinter Maschinen und Mammon bedingt war. „Vom Geist der Revolution", „vom Geist der Erneuerung Deutschlands", „vom Geiste der Versöhnung und Liebe", —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.