Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 153 (sequence 129)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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153 Ich stelle mich weiß Gott nicht hierher, um Ihnen zu zu drohen. Ich kann .Ihnen nur immer wieder sagen: so geht es nicht weiter! Wenn Sie den Wunsch haben, will ich mich, um den Verband zu respektieren und um Ihnen keine Schwierigkeiten zu machen, auf einige Zeit überhaupt in der jüdischen Oeffentlichkeit zurückhalten und gar-nicht über diese Dinge reden; aber so geht es nun einmal nicht weiter. Sie können und werden es nicht ablehnen, die vaterländische Gesinnung zu bekunden. (Anhaltender Beifall.) Mögen Sie e8 meinetwegen für überflüssig halten, da es aber vielen von uns nicht überflüssig erscheint und da heute auch in jüdischen Kreisen manche dtn vaterländischen Dingen so -entsetzlich kalt gegen- Lberstehen und da ich noch immer unter dem grausigen Eindruck von Bemerkungen stehe, wie: nebbich, dieser gute Apfel, was regt der sich so auf, wo doch alles so verändert ist —, btjt ist es eben ein Herzensbedürfnis für mich geworden, auf meinem Antrag zu bestehen. Wohl selten hat ein Derbandsvorsitzender so rückhaltlos offen, so intim persönlich mit den Derbandsmitgliedern gesprochen; aber wagt es noch einer unter Ihnen, mir nach dieser Rede zu sagen, daß dem Dr. Apfel die Kabinettsfrage gestellt werde? Nein! Da stellt jetzt Dt. Apfel dem Verbände die Kabinettsfrage! Wenn Sie sich nunmehr meiner heiligen Bereitwilligkeit, weiter mit aller Kraft für die Bewegung zu arbeiten, nicht bedienen wollen, wenn Sie nach diesen Worten noch im Stande sind, den Antrag, dem ich die Neutral^ täts-Betonung beifügen will, abzulehnen — dann haben wir verschiedene Sprachen miteinander geredet, dann waren wir weiter voneinander, als wir wußten. Gebe Gott uns die Stunde, wo wir uns wiederfinden werden! (Minutenlanger stürmischer Beifall, der sich immer wieder erneuert. Fast die ganze Versammlung hat sich. erhoben und drängt zum Rednerpult.) Vorsitzender Dt. Apfel: Ich bemerke zu meinem Entsetzen, daß es 8 Uhr geworden ist. Nun haben mir viele gesagt: um Gottes willen, nicht heute absttmmen, sondern morgen. Ich flehe Sie an, meine Freunde, sorgen Sie dafür, daß über die ganze Frage überhaupt nicht abgestimmt zu werden braucht. Ich frage Sie einfach, rufen Sie mir Ihr Ja oder Nein entgegen — wird es gehen oder wird es nicht gehen? (Stürmische, freudige Zurufe: Ja!) Kommerzienrat Stein (zur Geschäftsordnung): Meine Damen und Herren! Bei der ersten Delegiertenversammlung des Verbandes vor 10 Jahren sprach der Vertreter der Großloge, Geheimrat Ma» retzki, folgende Worte: „Wenn wir Sie hier — „wir" das war die Großloge — zusammengerufen haben, so ist es einzig und allein darum zu tun, den Verband zu schaffen, Ihre weitere Selbständigkeit aber in keiner Weise anzutasten oder Sie irgendwie zu bevormunden." Vorsitzender'vr. Apfel (unterbrechend): DaS gehört nicht zur Geschäftsordnung. Kommerzienrat Stein: DaS gehört dazu. Ich habe deshalb ums Wort gebeten, weil von verschiedenen, und zwar von zahlreichen Serken der Wunsch «nd die Bitt« an mich gerichtet worden ist, meine