Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 149 (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Standpunkt nicht gewahrt zu sehen und verhindert zu sein, ihn «zu betonen. Wenn Sie meinen Antrag nicht annehmen, ist die Situation ° also folgende: Auf der einen Seite haben Sie die zionistisch-nationaljüdischen Jugendvereine, die zwar nicht so glänzend organisiert sind, wie das vielfach angenommen wird; da wird noch mit sehr viel Wasser gekocht, insbesondere sind sie auf dem Gebiet der Jugend, pflege fast völlig unorientiert — auf der anderen Seite haben wir Tausende und Abertausende von Menschen, die nicht zu uns hereinkommen können. Allerdings muß ich da eine Einschränkung machen, denn aus dem süddeutschen Antrag gegen den Centralverein entnehme ich, daß meine Gegner sogar den Centralverein ersuchen, seine Jugendgruppen zu uns hereinzusenden. Ich habe nicht gewußt, daß das bisher erlaubt war, vielleicht hätte ich dann meinen Antrag gar» nicht eingebracht. ’ Wenn Sie meinen Antrag ablehnen, gewiß, dann haben Sie t>en Verband 'erhalten, aber vergessen Sie doch nicht den wunden Punkt unseres gesamten Verbandslebens. Unser Verband ist vom Standpunkt des Parteiwesens aus gesehen eine Mittelorganisation mit allen Vorzügen und Fehlern einer solchen. Tie Schicksale der nationalliberalen Partei in Deutschland hingen immer davon ab, welche Führer sie hätte. Wie alle mittleren Parteien steht und fallt unser Jugendverband damit, wer seine Führer sind, wenn auch Löffler sich noch so sehr Mühe gibt, durch seine Anträge den Boden solider zu fundieren. Nun beherzigen Sie folgenoes: Ter Jugendverband darf nicht von einzelnen Personen abhängig sein. Die jetzigen Fllhrer müssen allmählich wechseln, es muß junges Blut hineinkömmen. Ein solcher Wechsel ist aber nur möglich, wenn der Verband ein solides Fundament hat. Bei Ablehnung meines Antrages werden die nächsten Jahre wieder mit diesen entsetzlichen Neutralitätsdebatten ausgefüllt. Auf der einen Seite werden Sie sich mit gewissen Centralvereinsleuten, auf der anderen Seite mit gewissen Zionisten herumbalgen müssen. Ruhe und die Möglichkeit sicherer zur Arbeit anregender Führerschaft werden Sie nicht haben. Bei Annahme meines Antrages hingegen wird in diesen Dingen nach einer, gewissen Krisenzeit vollständig Ruhe herrschen. Ich halte es für nötig, recht deutlich zu interpretieren, warum ich heute morgen gesagt habe, daß ich mich für verpflichtet halte, den Juden gegenüber zu betonen, daß wir deutsch-vaterländische Gesinnung ' pflegen wollen. Für meinen Antrag waren übrigens in den ersten Wochen kaum zehn Verbandsvereine Lu haben, heute sind nach meiner Schätzung' bereits die Mehrheit der Vereine dafür.' Ich will Ihnen aber beichten, was Sie fast alle übersehen haben, auch meine Gegner: Ich brauche für meinen Antrag eine ^-Mehrheit! Aber: Beschlüsse auf Grund von Mehrheitsabstimmungen sind für eine Jugendbewegung ein Ding der Unmöglichkeit. Sie können mit Mehrheit darüber abstimmen, ob im Saale geraucht werden darf oder wie lange die Redezeit sein soll, aber eine Jugendbewegung zu leiten, ohne daß die grundlegenden Beschlüsse von Einheitlichkeit ge-