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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 148

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 148 (sequence 124)
Language
German
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schließen wollen und welche Konsequenzen diese Beschlüsse haben; malen Sie sich einmal in aller. Ruhe die Situation aus, die entsteht, wenn Sie meinen Antrag ablehnen. Haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, was das bedeutet? Herr Kaufmann oder jemand anders hat zwar gesagt, darauf brauchen Sie keine Rücksicht zu nehmen. Glauben Sie, daß Sie überhaupt noch jemand unter Ihnen finden würden, der mit einigem Erfolg Ihren Verband steuern könnte, einen Verband, der es durch ausdrücklichen Beschluß abgelehnt hat, die Pflege vaterländischer Gesinnung in sein Programm aufzunehmen? Wenn morgen in der Zeitung steht, die jüdische Jugendbewegung hat einen Antrag, der schlicht das Wort „vaterländische Gesinnung" enthielt, abgelehnt, so erkläre ich Ihnen glatt heraus, daß Sie keinen Menschen finden werden, der imstande sein wird, die Jugendbewegung über weitere sechs Monate hinwegzubringen. Vor Jugendgruppen des Centralvereins habe ich keine Angst: Jugendbewegungen lassen sich nicht dadurch schaffen, daß irgend welche Leute, die sich von uns nicht genug poussiert glauben, in Berlin auf den Knopf drücken. Aber lassen Sie doch folgendes nicht außer acht. Tie Zionisten agitieren wie die Wilden in Teutschland. Sie schicken routinierte Wanderredner herum, die im Stande sind, Versammlungen zu beeeinflussen. Im allgemeinen überrennen sie infolge der - Schlafmützigkeit der andern selbst an Orten, wo man kaum vorher etwa von Zionisnuis gehört hat, die guten Leute. (Sehr richtig!) Die andern sitzen gewöhnlich ganz verschüchtert da, erst am nächsten Tage kommen ein paar zusammen, die deutsch fühlen, junge Leute, die sich an Reden aus der Studentenzeit erinnern, die einmal Centralvereinsreden gehört, die Aufsätze von Hermann Cohen gelesen und solche, die auf religiösem Standpunkt stehen, setzen sich zusammen, schreiben nach Berlin an den Centralverein oder an uns: hier muß irgend etwas geschehen, schickt uns einmal jemand, der die Dinge von anderer Seite beleuchtet, der das ausdrückt, was wir fühlen. Wir können und dürfen es nicht tun, da uns unsere Neutralität es verbietet, Redner auszusenden, um gegen den Zionismus zu kämpfen. Ter Centralverein versagt hier auch oft, weil er allzusehr in Anspruch genommen ist, die jungen Menschen bleiben sich selbst überlassen und überall bilden sich Gruppen und Grüppchen. Ich sagte Ihnen schon heute morgen, gehen Sie über diese Neubildungen nicht einfach mit einer Handbewegung hinweg: gewiß sind diese Neubildungen oft nur Ehrgcizsache, aber der Untergrund ist zumeist recht ernst zu nehmen. Alle diese Leute gehen uns verloren, wenn ihnen nicht die Annahme meines Antrages eine Brücke baut. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um auszumalen, wohin sie dann gehen. Schauen Sie sich doch einmal die liberalen Jugendvereine an. Es sind Ihrer nur wenige, vier oder fünf, sie zählen nach höchster Schätzung lätt" bis 2000 Mitglieder. Tiefe liberalen Jugendvereine wären,nach meinem Empfinden — ich bitte das nicht als eine Polemik aufzufassen — bis auf ein bis zwei erledigt, wenn wir Ihnen die Möglich» keit geben, in unseren Verband hineinzukommen. Was sie von uns trennt, ist lediglich die Furcht, bei uns ihren deutsch-patriotischen

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