Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 145 (sequence 121)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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145 geräumt werden, die nicht den heiligen Sinn und das warme Verständnis für die Sache des Judentums haben. (Lebhafter Beifall.) Und nun zum Centralverein: An Fräulein I>r. Berliner und mir hat der Centralvereins-Vorstand vom Standpunkt des ruhigen gemütlichen Arbeitens wenig Freude erlebt. Wir haben mit aller Intensität, die uns zur Verfügung stand, dort die Gedanken der Jugendbewegung vertreten. Gewisse Leute im Centralverein sind unbelehrbar. Sie denken etwa in den Gedankengängen der bezirksvereinsmäßigen Auffassung weiter Kreise der alten fortschrittlichen Dolkspartei. Es ist aber gelungen, das! ungeheure Unverständnis gegenüber unserdr Bewegung, das bei der Mehrzahl der führenden Herren des Centralvereins vorhanden und das trotz der Bemühungen von Brodnitz schwer auszurottcn war, doch auf einige ganz wenige zu beschränken. Cora Berliner und ich fragten uns oft: sollen wir uns in diesen fortwährenden Kämpfen weiter zermürben, nicht Ueberlebtes überlebt sein lassen, oder sollen wir uns nicht lieber, wie Brodnitz, bemühen, die gekennzeichneter! Kreise in unserem Sinne zu beeinflussen? Sollen wir nicht den ehrlichen Versuch machen, den Centralverein mit den: zu durchtränken, wovon er unserer Auffassung nach durchtränkt werden muß? Man kann den Centralverein überschätzen und unterschätzen. Seien Sie sich doch einmal klar darüber: die deutsche Judenheit ist eine recht träge Masse in ihrer Mehrheit. Der Centralverein als eine ihrer größten Organisationen ist eben ihr Spiegelbild. Vergessen wir auch nicht, daß sehr viele von uns über den Centralverein zum Judentum gekommen sind: sie gingen für ihn auf die Dörfer, um gegen die Antisemiten zu kämpfen, sie haben zumeist von jüdischen Dingen sehrwenig gewußt und es ist schließlich so gegangen, wie es auch der Leitung des Centralvereins gegangen ist, daß sie allmählich aus diesem rein negativen Arbeitssystem zur bewußten Arbeit gekommen sind und damit auch zu einer anderen Anschauungsweise über das Verhältnis zu den Zionisten. Seien Sie doch einmal ein bischen neutral auch gegen den Centralverein. Gehen Sie meinetwegen hin und greifen ihn in allen Ortsgruppen an, wo gefaulenzt wird und wo-er Vertrauensleute hat, die so wenig mit dem Judentuni zu tun haben, wie dieses Glas Wasser. Aber wenn der Centralverein und Männer wie Eugen Fuchs und Brodnitz nicht Stützen durch uns erhalten, dann wird natürlich der Centralverein schließlich.da bleiben, wo wir ihn nicht haben wollen. Ueber das Verhältnis zu den Zionisten habe ich heute morgen nur wenige vorher famulierte Sätze gesprochen. Auch darüber ganz offene Worte. Ich habe jahrelang das Odium — für gewisse Kreise ist es ein Odium — mit mir herum getragen: Der I>r. Apfel und der Jugendverband das sind doch schließlich nichts anderes als verkappte Zionisten. Unserer Zuwahl in den Vorstand des Centrale * Vereins sind liebliche Kämpfe gerade aus diesem Gesichtspunkt heraus hervorgegangen. Die ist es mir nun mit dem Zionismus gegangen? Wohl keiner von den hier anwesenden Nichtzionisten ist dem Zionismus so nahe gewesen wie ich. Das liegt an meiner Erziehung: das liegt