Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 124 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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jorität auf diesem Standpunkte steht. (Sehr richtig!) Nun ist von fast allen gesagt worden: Das positive Programm, wie ihr es formuliert habt, ist im allgemeinen gut, aber ihr müßt den Begriff „vaterländische Gesinnung" entweder herauslassen, oder durch einen anderen Begriff ersetzen. Ich will auch hier das nicht wiederholen, was Herr Dr. Krombach gesagt hat. Ich bitte Sie nur, mir einmal einen Augenblick in dem Gedankengang zu folgen: Was ist gegen diesen Begriff „vaterländische Gesinnung"- gesagt worden? Es ist gesagt worden, wir drängen damit die Zionisten hinaus. Nun, meine Damen und Herren! Ich habe von keinem unserer zionistischen Freunde irgendetwas gegen vaterländische Gesinnung als solche gehört. Wir sind uns also in der Sache einig, und ich glaube nicht, daß irgendeiner von unseren Freunden unter den Zionisten — denn nur mit denen habe ich mich ja auseinanderzusetzen ^md nicht mit denen unter den Zionisten, die unsere Gegner waren und unsere Gegner bleiben werden —, daß irgendeiner von unseren Freunden bei uns austreten würde, wo wir etwas wollen, was auch sie sachlich wollen, und uns nur in der Ausdrucksform von ihnen unterscheiden! (Zuruf: Die Ausländer.) Kommt gleich! Sie werden nicht wegen einer solchen Lappalie austreten (Widerspruch und Unruhe), ja, wegen einer solchen Lappalie, ob man etwas, das man selber fühlt, sagen soll oder nicht sagen soll. (Sehr gut!) Das ist doch etwas rein Formales, und aus diesem Grunde kann man > doch nicht einer Bewegung, der man sich zugehörig fühlt, den Rücken kehren. (Zuruf: Es kommt darauf an, wie man es sagt!) Nun wird weiter gesagt: Dieses Betonen der > „vaterländischen Gesinnung" drängt die Ausländer, aus' unseren Vereinen heraus. Gewist, wir haben eine ganze Reihe von Ausländern im Verband. Ich begrüße das auf das wärmste. Aber weshalb die Ausländer aus unserem Verbände herausmüssen, wenn wir die Pflege vaterländischer Gesinnung in unser Programm aufnehmen, kann ich durchaus nicht verstehen. Wer sind denn diese sogen. Ausländer? Wir wissen doch alle, daß die überwältigende Mehrheit von ihnen einfach Menschen sind, denev eine verfehlte Regierungspolitik die Einbürgerung in Deutschland versagt hat. Ich glaube, daß diese Ausländer selber gar nicht daran denken würden, aus dem Grunde bei uns auszuscheiden, weil wir vaterländische Gesinnung betonen. Die Mehrheit von denen, die bei uns im Verbände sind — es gibt auch andere, aber die sind ja nicht bei uns — fühlen sich deutsch und wollen Deutsche sein und werden ganz selbstverständlich, wenn, was wir hoffen, in allernächster Zeit die Einbürgerung möglich wird, sofort von ihrem Rechte der Einbürgerung Gebrauch machen. Ich glaube, wir r/den hier über die Dinge, die. wirklich gänzlich überholt sind. (Widerspruch.) Nein, meine Damen und Herren, es denkt kein Mensch daran, und ich darf auch das hier betonen, diese deutschen Juden fremder Staatsbürgerlichkeit vom Kongreß ausschließen zu wollen. Vorsitzender Dr. Apfel: Um das wegzuräumen: Ich habe den betreffenden Verhandlungen beigewöhnt. Sowohl die Führer der