Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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115 Deutsch - völkisches — hineingetragen werden sollte. Fräulein I)r. Cora Berliner und ebenso Herr Lehrer Stein haben an dem ersten der drei Abende, die wir der Besprechung dieser grundlegenden Auf. fassung gewidmet haben, eine Begründung gegeben, die.sämtliche Anwesende als nicht neutral und Deutsch - vaterländisch, sondern einseitig Deutsch - völkisch bei uns im Jugendbundc aufgefaßt haben. (Heiterkeit.) Es ist allgemein aufgefallen, daß. als eine Woche später Herr Rechtsanwalt Apfel sprach, er denselben Antrag, dessen Dater er ist. während man Fräulein T)r. Berliner, als seine getreue Mitarbeiterin, vielleicht als die Mutter dieses Antrages bezeichnen darf (Heiterkeit) —, daß er diesen Antrag in einer ganz anderen, viel abgeschwächteren Weise begründet hat. als dies acht Tage vorher in unserer Mitte — und das lassen wir uns auch durch kein Gelächter ausreden — geschehet: war. Und deswegen, meine Damen und Herren, dieses Mißtrauen und auch dieses Mißtrauen gegen die vorgeschlagene Fassung. Einfügung eines Paragraphen 2, die an sich nach den Worten ganz unbegründet wäre. (Sehr richtig!) Ich stehe gar nicht an, zu erklären, daß, wenn der von Herrn RSchtsanwalt Apiel vorgeschlagene IKprtlaut des 8 2 verbessert wird durch den Antrag Levin-Leipzig. d. h. daß die ausdrückliche Wahrung striktester Neutralität hineinkommt, und daß vielleicht — aber darauf wollen wir gar nicht einmal maßgebendes Gewicht legen — „vaterländisch" durch „staatsbürgerlich" ersetzt wird — ich glaube, das ist keine Frage von grundstürzender Bedeutung —, daß dann gegen den Antrag kaum etwas einzuwenden ist. (Sehr richtig!) Und es ist lediglich eine Frage der Praxis, ob man den Paragraphen ausdrücklich einfügen will oder ob man etwa dasselbe auf dem Wege einer Resolution machen will, wie wir Berliner es Ihnen Vorschlägen. Sowohl dieser abgeschwächte Antrag 8 2 als auch die Resolution würden Ihnen den Kompromißboden bieten, der im Interesse aller Beteiligten, nachdem die Sache hier einmal, wie wir Berliner glauben, überflüssigerweise, aufgerührt ist, geboten ist. (Vorsitzender: Die Zeit ist um!) — Darf ich bitten^mich noch 5 Minuten anzuhören? '(Rufe: Jawohl!) Vorsitzender Dr. Apfel: Es ist der Vorschlag gemacht. Herrn. Rechtsanwalt Pasch noch 5 Minuten anzuhören. Wer ist dafür? —?cf) bitte um die Gegenprobe! — Der Antrag ist angenommen. Ich bitte, fortzufahren. Rechtsanwalt Pasch: Meine Damen und Herren!' Sowohl unsere Resolution als auch der 8 2, wenn Sie ihn mit dem Anträge Leipzig verbinden und die Wahrung striktester Neutralität da hineinschreiben, ist eine ganz akzeptable Kompromißlösung, gegen die begrifflich kaum jemand etwas haben kann, er mag ein extremer Liberaler oder Orthodoxer oder Zionist sein. Wenn wir Sie bitten, lieber eine Resolution zu wählen — und ich bin überzeugt, welche von beiden Lösungen auch gestruden werden möge, kein Vereinsmitglied hat einen gerechtfertigten Anlaß, nicht mehr bei unserer gemeinsamen Arbeit mitzumachen —, wenn wir Berliner Sie trotzdem bitten, diese Resolution mit vielleicht etwas geändertem Wortlaut anzunehmen, so geschieht das deswegen, weil wir verhüten wollen.