Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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107 bezweckt wurde, in ein vollkommen falsches Licht gestellt worden, und es ist zu einer Spaltung gekommen, wiewohl gar kein^ Meinungsdifferenzen existieren. Das hat vorhin bereits Krombach ausgeführt, und ich kann das alles, was er gesagt hat, nur unterstreichen. An der Tat ist es unrichtig, daß wir hier' eine in Richtungen gespaltene Jugend hinsichtlich der Frage der Neutralität Hör uns haben. Ach freue mich, daß die Befürchtungen, die ich in dieser Hinsicht hegte, durch den bisherigen Verlauf der Tagung voll und ganz widerlegt worden sind. Die gesamte jüdische Jugend, einschließlich der Verbandsleitung, steht nach meiner festen innersten lieberzeiigung so fest tmf dem Boden der Neutralität, wie sie jemals gestanden bat. (Beifall und Sebr richtig!) Meine Damen und Herren! Nun hat aber der Verbandsvorsttzende diesen 8 1 zurückgezogen und ich habe diesen 8 1 in dieser Fassung in jener Vorstandsiivung mit aller Leidenschaft bekämpft und würde ihn heute mit derselben Leidenschaft bekämpfen, trenn er nicht zurückgezogen wäre. Ter Herr Vorsitzende hat diesen Antrag zurückgezogen, weil er dadurch sich diesen gefährlichen Mißdeutungen hätte. aussehen können, weil die Form, in die dieser 8 1 ursprtinglidi gekleidet, war. allerdings dazu terführte. die Jugend in zwei Teile , zu, spalten, wenn es auch an sich niemals die, Absicht gewesen ist und gewesen sein kcnn, nach dem. was uns liier heute morgen unser Verbandtworsitzender auseinandergefetzt hat. Aber es ist nun ein großer Unterschied zwischen den Anträgen, die jetzt an dessen Stelle gerückt sind- und jenem 8 1, Und ecisr tatsächlich ein geradezu bejammemswertes Bild, was man bekouiiul, wenn man hier sieht. Wie um kin rein formales Bedenken, aus Angstgefühl heraus, wie. das Kollexe Krombach hier so trefflich ausge'ührt hat, gleichsam gegen Windmühlen gekämpft ^vird (lehr richtig!), wenn hier gegen einen Paragraphen gekämpft wird, der in Wirklichkeit nicht nur Selbstverständlichkeit ist, sondern dem Ausdruck zu geben wir heute mit leidenschaftlicher Seele das Bedürfnis haben. Wir empfinden das gerade einerseits durchdieheutige Not des Vaterlandes, andererseits, weil wir für unser deurfches Vaterland ( 4 Jahre lang und länger die elendesten Entbehrungen, die schwersten Gefahren, Not und Tod draußen ertragen haben; und weil wir dieses alles empfinden, da ist es so bejammernswert, daß wir uns mit Händen und Fußen dagegen wehren, daß nun ausgedriickt wird, was unser aller- Empfindungen entspricht. Nichts anderes istaber der Widerstand, der hier, heute diesem Paragraphen entgegengesetzt wird. Das hat auch schon Kollege Krombach in der schlagendsten und treffendsten Weise ausgeführt, so daß ich das wirklich nur zu unterstreichen brauche. Es ist nicht wahr, daß die jüdische Jugend, wie hier von so vielen Teilnehmern gesagt worden ist, an einem Wendepunkt steht. Ich bestreite das auf das allerentschiedenste. Den „Wendepunkt" bringen die hinein, zu einem Wendepunkt machen diejenigen heute die Debatte, die hier rein Formales und Selbstverständliches zum Gegenstand der leidenschaft-