Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 94 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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94 schönen Worte vom vorigen Jahre noch nicht erfüllt worden? Was ist aus der Verbandstagung der weiblichen Jugendgruppen und ihrer Führerinnen geworden, was aus der Errichtung der Bezirksverbände und der versprochenen intensiven Unterstützung der Provinzialvereine durch die Zentrale? Auf jedem Verbandstage hören wir immer Lobeshymnen über die hebräische Sprache, wie nötig und wichtig das ist, die hebräische Sprache und das religiöse Leben in der Jugend zu heben. Vorsitzender Dr. Apfel: Herr Dr. Wolfheim, die Versammlung war sich darüber einig, heute nur über drei bestimmte Punkte zu sprechen. Es ist nicht angängig, daß Sie allein auf andere Sachen eingehen und die anderen nicht. Ich bitte, sich streng an den Beschluß zu halten. Dr. Wolfheim: Ich glaubte, in der Generaldebatte kann man über alle Dinge sprechen. Ich habe Ihnen auch gesagt, daß ich ein Generalreferat ausgearbeitet habe. Vorsitzender Dr. Apfel: Ich muß Sie ersuchen, sich den Anordnungen der Telegierten-Versammlung zu fügen. Dr. Wolfheim: Das ist,, was ich zu dem Pünkte Neutralität zu sagen habe. Jetzt kommen wir zu dem zweiten Punkte, zu den Gegenwartsfragen der jüdischen Jugend, unter denen als die wichtigste die Kongreß- und die Pa/ästinafrage dastehen. Sie alle kennen ja die Beschlüsse des Centralvereins und wissen, daß durch eine laue Resolution der Kongreß nicht abgelehnt, aber ad ealendas graeeas; auf deutsch auf eine bessere Zeit, verschoben worden ist. Damit können wir Jungen uns nicht genug sein lassen. Wir haben ein Recht, diesen Kongreß zu fordern, und zwar unter einer bewußt jüdischen Tendenz. Ich möchte sagen, daß ich mich im allgemeinen als Mitglied des Jugendverbandes mit den Thesen, die zu dem Kapitel Kongreß aufgestellt worden sind, einverstanden erklären kann, mit einer einzigen Ausnahme, die meiner Meinung nach auch schon durch den Antrag irgend eines Vereins ausgemerzt werden soll. Meiner Ansicht nach darf es nicht heißer: „An dem sämtliche deutschen*Judett ohne Gewissenskonflikte teii.ehmen können, sondern „an' dem sämtliche Juden in Deutschland teilnebmen können." (Widerspruch. Zuruf: Ausgeschlossen!) Ob das ausgeschlossen ist, darüber wollen wir reden.. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß man das jüdische Leben Deutschlands demokratisieren soll. Ueber dieses Grundprinzip haben wir uns geeinigt. Auf der einen Seite reden.Sie von Demokratisierung nnd wenn Ihnen dann die Forderungen dieses Prinzips klargemacht werden, dann sagen Sie: ausgeschlossen! (Sehr richtig!> Also, ich stehe auf diesem Standpunkte und werde ihn weiter vertreten- Ueber Gemeindepolitik kann ich dann hier auch nicht sprechen.. (Zuruf: Gott sei Tank!) Das glaube ich. Dann möchte ich Ihnen folgendes sagen: Die Aengstlichkeit derdeutschen Juden im ganzen, von einer gesicherten wirtschaftlichen und materiellen Stellung bei einem energischen Eintreten für Iw» internationale Judentum verlieren zu können, führt sie zu derartigen-.