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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 77

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 77 (sequence 53)
Language
German
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77 ZUM Ausdruck zu bringen, einen Ausweg sehe. Ob Sie dazu eine Statuten-Aenderung vorzunehmen brauchen, will ich dahingestellt sein lassen. (Sehr richtig!) Ich erinnere, daß wir bereits bei der Gründung des Verbandes die vaterländische Gesinnung als Grundlage festgelegt haben; und wenn Sie dies nach zehn Jahren heute zu erneuern den Wunsch und Las Bedürfnis haben, so ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Im Sinne unserer Logen, meine 'ich, sollten dem Der» bande angeschlossene Jugendvereine unter selbstverständlicher Pflege der vaterländischen Gesinnung neutral sein und bleiben als Gegengewicht gegen alle politische, religiöse und soziale Zerklüftung. Und die protegierende Teilnahme aller jüdischen Organisationen dem Verbände gegenüber hat darin zu bestehen,, alle Gegensätze zu überbrücken, zu versöhnen und auszugleichen und sie nicht zu verschärfen. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! In einem so aufgewühlten Zeitalter wie dem heutigen werden wir zwar in unseren Jugendvereinen nach wie vor die politischen und religiösen Konfliktstoffe, die den Frieden der Vereine gefährden könnten, fern zu halten haben. - Um eine stärkere Anteilnahme an allen Schicksalsfragen, die uns in Atem halten, werden wir allerdings in den Jugendvereinen wie in den Logen nicht hierumkommen. Und wenn Herr Dr. Apfel darauf hingewiesen hat, daß der Zionist geschickt und beachtlich von dem Zu-' sammenhange der gesagten Judenheit, in bezug auf den Kongreß, propagandistisch gesprochen hat; so muß, fern von allem Zionismus und fern von allem Nationalismus, auch dem Widerstrebenden die Wahrheit aufgehen, daß die Juden der ganzen Welt nicht nur eine Glaubensgemeinschaft bilden, sondern auch noch von einem Gemeinschafts-Bewußtsein zusammengehalten sind, das in der Abstammung. Rasse, Geschichte mnd Kultur, kurz in ihrer Schicksals-Gemeinschaft beruht. (Lebhafter Beifall.) ~ Noch eins, meine Damen und Herren! Noch vor Ausbruch des Krieges wurde auf einer Tagung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge der Kampf der Parteien um die Jugend lebhaft erörtert und der Sorge Ausdruck gegeben, daß die Jugendbewegung zu einem wüsten Kampffelde schroffer Gegensätze und Spaltungen ausarte und daß eine zunehmende Politisierung eine verhängnisvolle Schädigung der im Grunde genommen an sich unpolitischen Jugendbewegung in sich schließe. Weit weniger als christliche Kreise können wir Jckben uns den Luxus immerwährender Zerklüftungen und ewigen Parieihaders leisten. (Sehr -richtig!) Uebermäßige Politisierung unserer jüdischen Jugendbewegung würde dieser verhängnisvoll werden, unsere Jugendvereine dürfen unter keinen Umständen parteipolitische Kampforganisationen werden. (Sehr richtig I) Die Jugendvereine müssen Schulen der Toleranz sein, Stätten objektiven Meinungsaustausches und wohlwollender Duldsamkeit. (Bravo! und Sehr richtig!) So erklärlich es ist, daß heute alles im Brennpunkt der Politik steht, so ist daS Heil der Jugendbewegung letzten

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