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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-03-01 · 1 (3.1919) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
1 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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So will die neutrale jüdische Jugendbewegung die Entfremdeten von neuem mit dem Judentum vereinigen, die Gleichgültigen mir lebendiger Liebe erfüllen; sie will aufrechte, charaktervolle, gesunde Menschen, wertvolle Staatsbürger, würdige Vertreter und Verteidiger der Ideen und Ideale des Judentums heranbilden. Ihr Grundpfeiler ist aber die Neutralität. Die Unabhängigkeit von allen jüdischen Parteien ist ihr Stolz und ihre Stärke. Sie steht im Dienste keiner Partei, keiner parteireligiösen oder politischen Sonderbewegung: sie will unabhängig von jeder Parteiphrase das allen Gemeinsame betonen und die Jugend vor der bedenklich anwachsenden Zersplitterung innerhalb der Judenheit und ihren gehässigen Nebenerscheinungen rechtzeitig warnen. Sie hat deshalb mit vollem Bewußtsein den kerngesunden Gedanken der strengsten Neutralität gegenüber den politischen und religiösen Strömungen auf ihr Banner geschrieben. Sie fordert statt parteilicher Einseitigkeit persönliches Einzelurteil nach objektiver Gesamterkenntnis. Sie geht dabei von der Ueberzeugung auss, daß jeder, der im Judentum für das Judentum arbeitet, schon wegen dieser Liebe für das gemeinsame Judentum das Anrecht hat, geachtet zu werden. Darum sollen und müssen die bereits in Parteien organisierten jungen Juden in freiem Gedankenaustausch die Anschauung ihrer Parteigegner kennen lernen und so gleichzeitig vor engherziger Parteilichkeit wie vor liebloser Mißachtung Andersgesinnter bewahrt bleiben. Sie sollen dazu erzogen werden, die eigene Meinung offen zu verteidigen, die fremde sachlich zu bekämpfen. Jeder sei so stark Partei, als er es mit seinem Wissen und Geissen verantworten kann. Aber er wahre sich den sittlichen Mut. den Gegner anzuhören. Wer den Gegner nicht hören will und jede fremde Meinung als persönliche Beleidigung empfindet, zeigt eine bedauerliche Lücke in seiner Erziehung urrd zugleich Mangel an Vertrauen zur eigenen Sache. Die neutralen Jugendvereine sind also keine Kampforganisationen, sondern Kadettenschülen, in denen di? Vorkämpfer aller Parteien herangebildet werden sollen. Darum haben alle Parteien und alle Organisationen ein Lebcnsintcresse an der Entwicklung der neutralen Jugendbewegung. Darum müssen sie alle eine Ehre darin sehen, ihr die Jugend zuzuführen. Darum ergeht an die Nachdenklichen in allen jüdischen Parteien der Mahnruf: .Werbt die Jugend für die neutrale Jugendbewegung! Helft ihr, die Jugend dem Judentum erhalten! Alles Gutjüdische hat in ihr Heimatsrecht: alles Unjüdische bekämpft und verwirft sie. Allen Parteien gegenüber vertritt sie die einigende Kraft des Judentums. Ihre Losung lautet: Alles für die gemeinsame Mutter, das Judentum, aber keiner Partei willenloser Knecht! Das ist der tiefere Sinn ihrer Neutralität.

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