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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 233

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 233 (sequence 73)
Language
German
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— 233 - Eebenserinnerungen. Von Geh. Oberrcgierungsrat vr. Mayer in Karlsruhe. Ich bin 1854 geboren, Hobe jeddch die Zeit seit Beginn des 19. Jahrhunderts. im ganzen nicht weniger alH iechs Generationen erlebt: dis meiner Urgroßeltern. Großeltern und Eltern, die meinige, die. »reiner Kinder und die heutige Jugend. Bis zu meinem vierzehnten Jahre lebte ich in einer Amtsstadt des badischen Oberlandes, die in der Mitte zwilchen Freibnrg und Basel liegt. Unter den etwa 3000 Einwohnern, meist Protestanten, die mit Ausnahme der staatlichen Beamten Landwirtichait trieben, waren 30 jüdische Familien, fast ausichließlich von Güter-, Vieh- und sonstigem Zwischenhandel lebend. Mein Vater und. einer seiner Vettern waren die ersten Jlidchi, die auswärts als Kauflcute ausgebildet wurden und dann im Jiöhre 1852 ein für die damalige Zeit ichr schönes Ladengeschäft errichteten, das als „der Jirdcnladen" in Stadt und Umgegend bestens bekannt war. Tas Geschäft und die elterliche Wohnung befanden sich im Hanse meiner Urgroßeltern. bei denen ich lieb Kind war. Sie verkörperten dein aufgeweckten Knaben diegute alle Zeit. Tie erblindete, aber geistig noch rüstige Urgroßmutter wurde nicht müde, iht» aus ihrem langen Leben Geschichten zu erzählen, besonders aus der! napoleonischen Zeit. Damals hatte cs auch russische Einquartierung gegeben, die iuit der Einwohnerschaft, namentlich aber mit d^n Inden. nicht viel Feöerlci'cns machte. Tas wirksamste Bciänstigun^smittcl war der Schnaps; kübclweisc hatte ihn mein Urgroßvater seinen .Kosaken spendiert. Als sie ans der Stadt wieder abzogen, nahmen sie einen alten Inden mit. um ihnen die große Trommel zu tragen. > Testen junger, kräftiger Sohn bat flehentlich, seinem Vater die Last.abnehme» zu dürfen, aber cs l>alf nichts. „Ter Lite muß die Trommel trogen" knurrte der rus fische Befehlshaber — ein Wort, das seith, Vater angewendet wird, dem für jüngere ausgebürdet werden. Ter Sinn für die Bedeutung der Befreiungskriege und überhaupt für Politik ging übrigens meinen Urgro zeltcrn und ihren gleichaltrigen jüdischen Lrtsgenosten vollständig ab. Als Schnhjuöen waren sie zufrieden, wenn die staatlichen Beamten ind die Ortsgewaltigen in Streitfällen mit Christen ihnen einigermaß m zu ihrem Recht vcrhatfcn, im übrigen aber sie in Ruhe ließen. Sie, lebten ganz ihrem Erwerb. ihrer Familie und ihrer Religion, Tiefe aber war bei weitem die Hauptsache »n§ in allest, niaßgebend. Lebenslust und Lebenslust. Nahezu das ganze Taicin spielte sich in meist sehr gemütlichen religiösen Formen ab. Tas Kochen, das Essen und T inkcn. das Ausstehen unb Schlafengehen und sonstige natürliche Verachtungen. das Anziehen eines neuen Kleides, der Antritt einer Reiß , alles war durch die Rer von-manchem bejahrten chultern passende Lasten

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