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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 229

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 229 (sequence 69)
Language
German
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229 — Der zweite Hauptsehlcr liegt darin, daß man innner ein Volk, eine Nation oder gar eine ganze Raiie als eine Einheit ansgesaßl und oersilcht hat. ihren geistigen Typus zu bestiiniiien. Tein liegt auch ein richtiger Gedanke zu Grunde, wenigstens, io weit es sich »in eine der großen Rahinciigruppen der Staatsvölker mit gewissen gemeinsamen Interessen handelt. Einige charakteristische Züge werden hier uiimer ailszusinden sein. Aber damit ist erst ein verhältnismäßig kleiner und unwichtiger Teil der Aufgabe gelöst. Biel wichtiger ist die Beschreibung der verschiedenen geistigen Typen, hie die einzelnen soziologijchen Elemente jolcher Nahmengruppen. die Schichten. .Massen, Kasten, territoriale» Abteilungen uiw. darstelle». Hier sprudeln die reichsten Quellen joziologischen und historischen Berssehens. Wer beim Bolksgeist stehen bleibt, und die „Gruppengeisler" ilicht beachtet, kann unmöglich zum Ziele gelangen. i Wie also entsteht ein Gruppen-, ein Nationalchgrakter? - Aus sehr priniitiver Stute formt die Umwelt, und zwar, je primitiver, um so mehr die natürlich e Uuiwelt. wie den Körper, io auch den Geist. TaS Mittelglied ist die Richtung der Löbenssüriorgc. die Nahrungsbeichasfung vor allem. Hier handelt es ,'idi zunächst noch um Einflüsse, die auch schon auf präsozialcr Stufe, schon beim Tiere, wirkiam sind, nämlich um die Erstreckung des GegeniatzeSi von Flenchiresser und Weideganger ins menichliche hinein. Alle priniiln'en^agri haben die List, Schnelligkeit und Unermüdlichkeit und die scharfen Sinne des Raubtiers und seine Grausamkeit. Sie haben ferner,^ und öasl ist jreilich bereits sozio-piychologisch. sämtlich die in der Jagd ausgebildete sabelhaste Fähigkeit der Beobachtung, die sie zu bildenden Künstlern hohen Ranges macht. Ter primitive Hackbauer ist micht io aus Beobachtung angewiesen, ist darin» kein Künstler, wenigstens kein naturalistischer, und im allgemeinen friedlicher — es gibt Ausnahmen! —. langsamer, fügsamer. Auch aus höherer Stufe wirkt die physische Umwelt noch stark auf den geistigen Habitus ein, und zwar immer noch hauptsächlich durch das Mittelglied der Lebenssüriorge, die aber nun nicht mehr bloß als Rahrungsbeslktafsung. iondern als.Berus wirkt. Wir werden öfter von der Psychologie der B e r u f s g r u p p e n zu iprechen haben, die vielfach niit den lokalen »nd territorialen Gruppen zuiominenfallen. Aber, je höher aus der Leiter der Zivilisation, um io weniger wirkt die physische, mii so stärker die soziale Umwelt, und zwar vor allen, die nähere Gruppe. Auch hier können wir wieder dem an soziologischer Erkenntnis unendlich reichen Büchlein Walter Backehots folgen. Ter Mensch wird systematisch durch seine Gruppe d o m e st i - ziert (gezähmt): durch bewußte und unbewußte Zuchtwahl und durch alle Arten des Zwanges. Erziehung, Suggestion und äußerer Zwang durch Sitte, Recht und Geistersurchti Auch die menschlickie Gruppe stößt in bewiißter Zuchtwahl die nicht sügsamen Glieder aus. wie wir das die tierische tun iahen: oder die „wilden" Elemente verlassen die Gruppe freiwillig. „Aus diese Weise bildet sich ein feststehender Typus, ein ausgeprägter Charakter. Aber

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