Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 190 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 100 — reine Idee, die Idee des wahrhaften Führers einer wahrhaften Genieinde geahnt. Zwischen Jugend und Mannesatter mar mir dann ans der Erkenntnis der chassidischen Lehre diese Idee als die des vollkoninienen. Gott in der Welt verwirklichenden Menschen anfgegangen. Jetzt aber erblickte ich im Schein des scherzhaften Ereignisses die führende Funktion dieses Menschen in meiner inneren Erfahrung. Ich, wahrlich kein Zaddik, kein in Gott ges cherter, sondern ein vor ÖJott gefährdeter, ein ewig ne» um Gottes Licht ringender und ewig ne» an Gottes Abgründen vergehender Mensch, erlebte, nach Trivialem befragt und Triviales entgegnend, dennoch den wahren Zäddik, den nach Offenbarendem Befragten und Offenbarendes Entgjegnenden, von innen. Ich erlebte ihn in dem Grundverhalten seiner Seele zur Welt: in seiner Verantwortung. Jeder Mensch hat eine unendliche Sphäre der Verantwortung, der Verantwortung vor dem Unendlichen. Er bewegt fish, er redet, er blickt, und jede seiner Bewegungen, jedes jeiner Worte, jeder seiner Blicke schlägt Dellen ins Geschehen der Welt, er vermag nicht zu erkennen, wie starke und wie weithin reichende. Jeder Mansch bestimmt mit all seinem Sein und Tun das Schicksal der Wel^ in einem ihm und allen unkenntlichen Matze, denn die Ursächlichkeit: die wir wahrnehmen .können, ist ja nur ein windiger Ausschnitt aus dein unausdenklich vielfältigen unsichtbaren Wirken aller auf alle. So ist jede Menschenhandlung ein Gesäß der unendlichen Verantwortung. Aber es gibt Menschen, an die die unendliche Verantwortung in einer besonderen. besonders aktiven Form allstündlich herantritt. Ich meine r. nicht die Herrscher und Staatsmänner, die das nutzere Geschick großer Gemeinwesen zu bestimmen baden: »msänglch ist der Kreis ihrer Wirkung, aber um wirken z» können, wenden sie sich von dem einzelnen, ungeheuer bedrohten Leben, das sie mit taiiiendsältiger Frage anblickt. dem Allgemeinen zu. das i:e blicklos dünkt, ^ch meine jene, die dem tausend'ältig fragenden Bl'ck des einzelnen Löbens standhalten: die dem zitternden Mund der bedürftigen Kreatur. der Mal in». Mal von ihnen Entscheidung heischt, getreulich Antwort geben: ich meine die Zaddikim. ich.meine den wahren Zaddik. Tashst der Mensch, der die Tiefe der Verantwortung allst,",nU^ch >»'t dem Senkblei seines Wortes mißt. Er spricht, und weiß, daß seine Rede Schicksal ist. Er hat ^cht über Länder und Völker zu enUcheiden sondern immer wieder nur liber den klein und großen Gang eines einzelnen. sci endlichen und doch so unbegreinteii Leben?. Tie Menschen kommen Zn!ihm, und jeder begehrt seinen Ausspruch, i'e-ne Hil'e. Und mögen es auch le'blicbe und balbleibliche?>>'te 'e>n die ihm iic ru-ühren 'n ie!n"r Welteiniicht besteht nicht? Leibl'ckies. da? nicht verklärt, bestebt kein Stofs, der nicht zum Geist erbeben w-rden'kann, lind dw? ist es. was er.an allen tut: c r e r h e b t i h r e N o t. e h e er s i e st i l l t. So ist er der Helfer im Geist der Lehrer des Weltsinn? der Führer zu den göttlichen Funken. Um ibn. »i» den vollkommuen Manschen, um den wahrhaften Helfer ist es der Welt zu tun: ihm harrt sie entgegen, harrt sie immer wieder entgegen.