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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-05-01 · 2 (1.5.1917) · p. Seite 36

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
2 (1.5.1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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— 36 — Was bedeutet ber Krieg für unser religiöses vewußtsein Von Rokbincr Dr. Samuel (Essen). Ein Zerstörer, Zehcer, Vernichter ist der striez, da» haben wir Throne und Reiche sinken vor ihm bahi r, blühende Fluren wcrdei^ in Einöden verwandelt, unermeßliche Werte zunichte gemacht. Ans den 'kostbarsten Besitz üers Erde, den ve' nunskbegabten Menschen, hat er es vor allein abgrjeben, der große Würger .Urieg. ' Aber er ist nicht nur ein Zerstörer. Er ist auch ein Erwecker und (Erneuerer, der „Beweger des Menschengeschlechts". Tic G' schichte zeigt, das; er trne mit Federdruck gewaltige Lasten zu heb«n und umzulagern, verbcrgcnc Kräfte ans Licht zu bringen wer;. Dies gilt nicht nur für den Sieger, sondern auch für den Besiegte >. dem die Niederlage zu neuem Ansschwung dienen kann. Beispie e sind mit Händen zu griffen. Auch das religiöse Bewußtsein des Menschen wird vom .SU'ii’ji? gcivaltig erschüttert. Wohl sind die Bekenntnisse, auch das Inden tum, übernationale Mächte; unberührt aber bleiben sie von der Tai fache nicht, daß der Krieg die GlanbcnSvcrwatidten zu Nationalfein den, die Glaubensfrentden zu Brüdern und Bliitsfrcnndcn macht. Biel stärker kommt füt uns Inden die Erschütterung unseres tiesinncren, persönlichen, religiösen Lebens in Betracht, da die Erfüll rnngcn der Stunde oft die letzten und festesten Grnndanschauungcn der jüdischen Seele in Frage stellen. Deutlich fühlen wir, daß w r uns entscheiden müssen, das; wir den andrängenden, religiösen Problemen nicht länger answeichen können. Zuerst hat uns die g' mein ja me, religiöse Welle, die jeder Krieg erzeugt, mit emporgctra gen; aber alsdann sanken wir ancki wieder zurück; Zweifel meldeten sich an; viele wurden zeitweilig vollkommen an Gott irre. Soll di r Krieg auch die ohnehin schwach angebantc, religiöse Provinz unser« r Seele in ein Lcdseld verwandeln? Soll cs bei der alten, kalten Lau heit sein Bewenden haben, die weder ja, noch nein sagen möchte, und sittlich geringer zu bewerten ist, als ein vielleicht dem blutenden Herzen abgernngenes, entschlossenes Nein; oder bei einem Gruppen gesühl, das sich von jedem Windhauch an der Oberfläche bewegen läßt? Nur einem schwach fundierten, religiösen Gefühl bringt dir Krieg unverwindbare Niederlagen. Ein starkes erhebt sich, wie aus einer Läuterung, gehoben und gekräftigt empor. Zn dieser Ei kenntnis möchten wir einiges beitragen. 1. An der Sonne des Friedens reift das religiöse Bewußtsein dcr Menschheit langsam der Ueberzeugung entgegen, daß ein Gott sei, und daß er den Urgrund dcr natürlichen und der sittlichen WeT bilde; die Welt mit allem, was sic füllt, besonders aber der Mensch, auf ihm ruhe, und dieser ihm Verehrung schulde. Welcher Art diese Verehrung' sei. lehrt den Menschen die Satzung und Lehre dcr Väter, sein Bekenntnis, durch das er allererst seinen Gott kenne r gelernt, und das seinem Glauben Form, Farbe und Sprache gibt. Ft es nun nicht vor allem eine mangelnde Weisheit Gottes, daß die blr -

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