Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 1 (28.2.1917)
- Date
- 1917-02-28
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 23 — für diese harte Anschuldigung vorzubringen. Welche allein schon hinreichend wäre, den Juden den Hals zu brechen und ihneti alle Disposition zu der vergönnten Assimilation abzusprechcn? j Jetzt kommt nun aber eine Schlußbetracksiung, höchst wirkungsvoll für eincsi Zeitungsarliki l. aber ebenso bedenklich §ür einen gewissenhasten belehrten. „Hätten wir nur Nathannaturen unser unseren 600 000 deutschen Juden, so gäbx es überhaupt heute kaum eine ^»densrage mehr" fauch lx. in j nur „kaum"), „aber wir haben auch noch Shyldcknaturen, und die Mehrzahl der Juden steht Dielli icfjt zwischen diesen beiden Extremen in der Mitte. Ganz ebenso ist es freilich auf christlicher Leite." Muß einem da nicht d.e Geduld ausgchen? Wenn l s ganz ebenso auf christlicher Seite ist, muß man da nicht mit Mephisto ragen: Wozu der Lärm? In der Folge a >er wird die christliche Shylocknatur noch genau definiert durch den „christlich-germanischen Rassenstolz pnd die alte,ergebrach!e» Vorurteile, die Sitten, Uic zur Unsitte geworden sind". So dankenswert, ja in vollem Ernst, so anerkennenswert als eine wirkliche Ausrichligkeit der Ge-' sinnung diese Parallelisierung gemeint sein mag, so trifft sie doch nicht ganz zu. Denn Shhlock lät nicht nur Rassenstolz und Unsitten, sondern den Haß gegen den Hasser. Und dieser Christenhatz, als!eine Eigenschaft des jüdischen Charakters, ist das Vorurteil des Mittelalters, welches leider nickst ausgestorben ist; und deshalb ist diese Unterscheidung der Nathannatur und der Shylocknatur auch Hute noch sehr gefährlich. "7 , Das eben j ist ja aber die große Lehre, welche Lessing seinen Nathan für ' alle Zukunft verkünden lätzt: daß der Jude dön Christen nicht nach seinen schlimmen Worten bi urteilt und auch nicht nach solchen Handlungen; daß der Jude nicht schlechthir den Christen haßt, sondern dstß er feine Großmut anerkennt und liebt, wi» sie ihm zuteil wird. .i Und das ist die große Entwicklung, welche der deutsche Geist an dem jüdischen Geiste volltracht hat, daß er diesem die Einsicht eingeprägt hat von den Wohltaten, die! er jüdische Geist vom deutschen Geiste empfangen kqnn und empfangen soll. Es gibt keine Shylocknatpr unter uns gegenüber dem deutschen Geiste. Ir der unbedingten Dankbarkeit und in der aufrichtig innigen Liebe zum wahrhaften deutschen Geiste sind wir deutsche Juden alle-, samt Nathannaturen. Wir lassen uns in dieser Liebe zu dem, was wir als deutschen Geist im Deutschen Volke erkannt ha>en, nicht beirren durch alle die Spiegelfechtereietr, Zweideutigkeiten, Niedrigkeiten und Gehäs>.gkeiten einer deutschen Abart, vor der keine Volksart rerschont bleibt. In unserer Liebe zum Echten und Wahrhaften des deutscher Volkes lassen wir uns nicht trremachen von allen jenen Jrrgeistern. Wir sind und bleiben fest und treu als Inden und als Deutsche, als Deutsche jüdischer Religion."») *> In Nr. 9 bet .Neuen Jüdischen SKonatffn «deutscher *rofe(Tor' feine ausgezeichneten Beirachiung^i Wir empfehlen die Lekiüre dieser Fortietzunb dringend sie" setz Äeheimrat Lohen als n über Schmollet» Angriff fort. I I