Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 1 (28.2.1917)
- Date
- 1917-02-28
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 15 — In der Presse entstand darüber, zunächst kuf Grund kurzer, nicht ganz zutreffender und einseitiger Notizen über der > Inhalt meines Artikels, ein Sturm des Unwillens bei den jüdischen und philosemitischen Blättern, de» Jubels ber den antisemitischen. Berge von Griefen und Zuschrlfteir von mir meist unbekannten Schreibern drückten mfp ihren Unwillen, einige auch ihre Zustimmung aus. Auch jüdische Zustiniiimungen fehlten" nicht. Antworten kann ich auf diese Zuschriften nicht im einzelnen. So jei ein allgemeines Wort über meine Stellung zur Judsnfrage gestattet., Ich habe zeitlebens mich weder als Philch noch als Antisemit''gefühlt. Ich hatte mit meine besten Freunde unter Juhhii und Halbjuoen. Ich suchte immer mir ein objektives historisches Urteil ijbcr die einschlägigen Fragen zu bilden und zu bewahren. Tie Grundlage eines gerechten Urteils sicher die politische und gesellschaftliche Judenbehandlung im modernen Stgiale, wie ln den Staaten der Vergangenheit, muh stets die Beantwortung «der Frage» bilden: wie. groß ist tue Zahl der Juden im betreffenden Stacjw gegenüber den germanischchristlichen Elementen; .oie groß ist die Zahl^der höher gebildeten Juden und die des jüdischen Mittelstandes und der jüdischen Arbeiter; wie ist die räumliche Verteilung der Juden, wohnen sie kompakt für sich oder ganz zerstreut unter den Christen; endlich wie hoch ist da^ polit sche und kulturelle Niveau des Volkes, unter dem die Juden leben. weftst^die religiös-kirchliche Entwicklung des betreffenden Volkes und der! unter ihm lebenden Juden? In älteren Zeiten waren die Probleme. I die sich beim Durcheinander- Wohnen verschiedener Rassen. Völker. Religionsgemeinschaften ergaben, unendlich viel schwieriger als in neuerer Zeit. Man konnte sich am ehesten helfen durch ganz getrenntes Wohnen. Daruus erklärt sich die heurige russische Judenpolitk. das getrennte Judengoe-to in Len mittelalterlichen Slädien Rohere, primitive Menschen konnten sich d:e anderen Menschen und Rassen nur als Feinde denken. Jeder Fremde galt einsten» selbstverständlich als Feind, den man aus schloß, vertrieb, mißhandelte. Bedurfte man seiner trotzdem, so mutzte er besond beliebigen Widerruf man sich vorbehielt. I« traute ihm alles Schlechte zu, besteuerte ihn ü|ü sein Vermögen halb oder ganz, verbrannte re Privilegien erhalten, deren' nec blieb er verdächtig, man ermäßig, nahm chm zeitweise eitweise ganze Judenschaften unter diesem oder jenem Verdacht. Nur wenige hochstehende Fürsten und en, schützte» sie, solange csging. es war das Schicksal ras^enchte. Langsam rang sich aus Zuständen die Idee heraus, von den Menschen so behanpolitischen Ideen des 10. Bischöfe sahen die Nützlichkeit undTüchtigkeitderZ Das war! das mittelalterliche Judenschicks fremder Minoritäten überall in der Kulturges solchen psychologischen und kulturgeschichtliche datz die Menschen vor Gott gleich seren, also a: delt werden sollen. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts, brachten nach und nach den Anfang der äußerten Rechtsgleichheit. Soll eine solche Früchte tragen, so mutz sie verbunden sejy mit einer Assimilation, wie sie am leichtesten in den oberen Schichten der j rassefreniden Minorität eintritt, während der?» mittlere und untere Schichten noch Generationen hindurch in ihrem geistigen, geselligen Sonderlebest ausharrdn. Seit 1848—70 hat die Assimilation der obersten Judenschichten in Deutschland große Fortschritte gemacht; unter dem Einfluß der humanitär-liberale» Ideen, des beginnenden Konnubiums zwischen sÄermanen und Semiten, des wachsenden UebettrlttS_^>er assimilierten obere« Schichten des Judentums zu einer der christlichen Konfessionen. Aber die Assimilation ist noch weit entsernt, vollendet jju sein; sie wird immer wieder gehindert durch Judenhetzen der geschäftlich wjn der Judenkonkurrenz getroffenen Deutschen und durch die