Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 1 (28.2.1917)
- Date
- 1917-02-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352413--1208-4927310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— s — heiligsten Gefühlen verletzt, selbst jetzt gegen solche Anfechtungen nicht geschützt sind. Wir beklagen diese Entwicklung aber weit mehr noch um des Vaterlandes Dillen, das wahrlich in der gegenwärtigen Stunde der großen Entscheidung über Sein oder Nichtsein alle Kräfte in einmütiger Geschlossenheit zusammenzusassen hat nnd jeden Versuch, die alten, inneren Kämpfe in ihrer'zersplitternden und verbitternden Wirkung wieder anslebcn zu lassen, als Verrat an der eigenen Sache brandmarken sollte. Gerade dieser Gedanke muß uns deutsche Juden aber — eben um des Vaterlandes willen — vor jeder Entmutigung nnd Verbitterung bewahren. Was uns auch von jenen Stellen an bitterem Unrecht zuteil wird, das Vaterland darf darunter nicht leiden. Lassen wir uns also nicht hinreißcn von der neuen Welle der alten Flut, die uns in unserer vaterlandsfrohen Stimmung doppelt empfindlich treffen müßte und uns vielleicht bedeutender und nachhaltiger erscheint, als sie wirklich ist! Es gilt, fest die Zähne auf einander zu beißen und unbeirrt in unentwegter Pflichterfüllung bis zum siegreichen Ende weiter durchzuhalten! Wir wir Deutschen insgesamt trotz der nochJtändig wachsenden Schar der Feinde, trotz der unermeßlichen Flut von Schmähungen und Verleumdungen nicht kleinmütig verzagen, sondern im Vertrauen auf Gott und unser Recht alle Kräfte regen, so hat auch in unseren besonderen Nöten für uns deutsche Juden des Philosophen Mahnruf, zu gelten: Arbeiten und nicht verzweifeln! > Deshalb, Brüder und Schwestern, draußen und daheim: Seid euch täglich und stündlich mit Stolz dessen bewußt, daß ihr in eine gewaltige Zeit, vor eine große Verantwortung gestellt seid.! Die kommenden Geschlechter sehen auf euch, ob ihr der weltgeschichtlichen Stunde gewachsen seid. Ihr Recht und ihre Ehre ist in eure Hand gegeben! Ein schwaches Geschlecht, das sich von den augenblicklichen Strömungen und Stimmungen lähmen und unterkriegen läßt, wird nicht Bestand haben vor dem richtenden Urteil der Geschichte! Ein Geschlecht sber, das sich, über jene Anfechtungen hinweg, in seiner alles hingehenden Liebe zur Heimat nicht beirren läßt, öffnet den künftigen Geschlechtern die Pforten zur Anerkennung als gleichwertige und gleichberechtigte Söhne des Vaterlandes? Im Felde. Dr. Krombach.