Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Und doch war dieser Mann der überwallcnden Gefühle j »gleich auch von einer strengen, kühlen, geradezu theoretischen Voran agnng. Aber sein Streben nach Bildung, ganz das Werk seiner Selbste,ziehnng, gipfelte in dieser Aneignung des Wesentlichen i'Or humanen Bildung, und es möchte selten einen Autodidakten gegeben haben, der es zu diesem echten Bewußtsein des Wesentlich >n der Mensch-enbildnng gebracht hat. , Seine Einsicht für das Wesentliche des Menschenlebens, des Menschenwertes, dieses klare Bewußtsein, dieses tiefe Gefühl führte ihn zn der politischen Grnndgesinnnng seines Lebens. Es brachte ihn zu dem starken, aufrichtigen sozialen Gefühl, das er sein Lebtag bezeugte, das er in seinem Berufskreise und an seinen eigene n Mitarbeitern in einem vorbildlich hoben Sinne bewährt hat. Sein theoretischer Sinn und sein soziales Grundgesübl aber fanden einen Brennpunkt in der tiefen Religiosität, die seinem Wesen, ich darf wohl'sagen, die wahre Einheit gab. Und Einheitlichfüt war daher auch in seiner religiösen Gesinnung. Er begnügte sich ircht.mit seinem demütigen Gefühl für das Unendliche, mit seiner Ehrfurcht vor dem Gedanken des einzigen Gottes, geschweige denn, daß er sich begnügte mit der allgemeinen Sittlichkeit und Menschenliebe, Hier tvar es wieder sein geistiger Zug, der ihn zn der Erkenntnis brachte, daß eckte Religiosität bedingt ist durch die lebendige Pietät für die Stifter und Fortbildner der Religion, die man im Herzen trägt. Wie glühte sein Auge, wenn er von den Propheten Israels sprach, i nd wie schonte er keine Nachtruhe, >venn es galt, an einem neuen Bi cke sich wiederum in die Geschickte der Juden hineinzuleben und hineinzufühlen. So führte seine geistige Art, in Verbindung mit seinem ozialen Gefühl, ihn zum Geiste, zur Wissenschaft des Judentums, un!> so zu unserer Lehranstalt und zu allem, was Pflanzstätten der Wisst nschaft, der Bildung und der Pflege des Judentums erstreben. Auch ich muß hier des unvergeßlichen Freundes gedenken, dessen Wort ich in der Erinnerung bewahrt habe, als er einmal von unserem Verewigten sagte:, Ter ist zwar kein jüdischer Gelehrter, aber — und ich lst re noch meinen den Ton seiner Rede — er ist ein Freund der Wissenschaft des Judentums. So hat Salomon Ncumann die Tiefe seines Wertes erkdnnt. Ich darf es sagen, unser Freund war von einer so allgö Menschenliebe, daß, wenn seiner beharrlichen Kraft und seiner strengen Gewissenhaftigkeit noch umfangreichere materielle Erfolge beschieden gewesen wären, er sicherlich ohne alle Tisferenzierung für alle Schichten der Armen, für die Verbesserung der Lage aller Volksschichten sich eingesetzt haben würde. Aber sein praktischer Blick erkannte, daß unmittelbare Hilfe da besonders notivendig sei, wo der Truck am