Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 6/7 (1916)
- Issue
- 1 (15.6.1916)
- Date
- 1916-06-15
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
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— 2 — Tann gilt unser warmer Gruß allen denen, die noch unter der Fahne stehen, die seit zwei langen Jahren fern von der gewohnten Beschäftigung, getrennt von den Angehörigen und Freunden, ihre soldatischen Pflichten erfüllen. Gerade wir als Jugendbewegung verstehen es doppelt, was es heißt, die schönsten Jahre der Jugend nicht in harmonischer- Freude, nicht in geistigem Streben, sondern in härter, strenger Pflichterfüllung dahin zu bringen, täglich und stündlich den Tod vor Augen. Eines mag Euch neben der Liebe zum Paterland die Schwere Eurer Aufgabe erleichtern: Jeder von Euch trägt ein Stück Verantwortung für die so vielfach verleumdete Sache der jüdischen Gemeinschaft mit sich. Jeder von Euch möge durch die treueste Pflichterfüllung, durch den vollen Einsatz seiner Persönlichkeit, durch selbstloseste Tapferkeit bezeugen, daß wir Juden hinter nicniand in der Treue zij Teutschlands Sache zurückstehcn. Tragt mit gleicher Würde wie bis in hohem Maße zuteil gleichen Festig! her die Zeichen äußerer Anerkennung, die Euch t d e r t s ch - r e u c geworben sind, und h ütet E u ch, m i eit die Treue, die Ihr T e u l a N d s Sache bewiesen, durch eine andere U u t w e t t z u m a che n. Es ist noch nicht oie Zeit, in scharf umrisfenen Worten darzulegen, ob und worin wir unser Programm ändern müssen. Wir wissen — leider — noch nicht, wie sich die politische Lage gestalten wird und — leider — wird dem deutschen Judentum, ob durch eigene Schuld oder nicht, muß jetzt dahingestellt bleiben, kein allzu großer Einfluß aus die zukünftige Lage möglich sein, obwohl das Schicksal von 'Millionen Juden auf dem Spiele steht. Wir wissen auch nicht, wie sich die inneren jüdischen Verhältnisse nach .dem Kriege, gestalten werden. Aber in dieser Hinsicht winkt uns zweifellos eine bedeutsame, ja ausschlaggebende Rolle. Ich weiß, daß ich unser aller Tolmetjch bin, wenn ich sage: So wie früher wollen wi r den iimierj ü d i s ch e n Kamps nicht. Es darf als absolut sicher angesehen werden, daß die jüdische Jugend T e u t s ch l a n d s unter den äußeren u n d seelischen Einwirkungen der Zeitg es-chehn issc in höherem Maße als bish er bewußt jüdisch geworden ist. Sie wartet mit Sehnsucht auf die, die diesem Bewußtsein den befreienden, lebendigen Inhalt zu geben haben. Wir sind die letzten, die in Zukunft entwicklungssördernde Gcisteskämpfe meiden wollen — ob aber die Gegner von gestern in gleichem Maße auch die Gegner von heute und morgen sein müssen, erscheint uns um so fraglicher, als doch die eine Tatsache nicht zu leugnen ist, daß die jungen Juden; aller Richtungen sich mit ihrem ganzen Ich der Sache des Vaterlandes gewidmet haben. Di'. Alfred Apfel.