Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 6/7 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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169 ilis Ter Zusammenschluß dürse keinen Abschluß bedeuten, und gleich den anderen konfessionelle» Jugendorganisationen, katholischen wie evangelischen, lege der Jugcndverein Gabriel Rießcr und der Verband her N8 Ortsgruppe» zählenden jüdischen Jugendvereinigungen Wert aus ein gutes gegenseitiges Verhältnis, tvie es bis jetzt bestand. Ein Per-', brechen sei cs, das Gist der antisemitischen sBestrebungen jetzt bereits in die .Herzen der Schuljugend zu streuen. A>ß Deutsche wollen die Inden jn llebercinstimmung mit den christlichen Mitbürgern die Eintracht Hochhalten. Tie Wandervogel der RheinproviiiH aber werden, alles tun, die Schmach des Beschlusses von Frankfurt a. ü.Oder von sich abzuwülzcn. Für die zwei Kölner Ortsgruppen des Wandervogels verwies .Herr Frit? Malch ans die bereits im Februar noin Gau Miltelrhcin dieser. Organisation veröffentlichte Erklärung, in iicr dem lebhaften Bedauern Ausdruck gegeben wird, daß durch die Frankfurter Resolution der Geist der politischen und konfessionellen Neutrali ät zugunsten antisemitischer Bestrebungen durchbrochen worden ist, eine Erklärung, die im wesentlichen auch aus dem Niederrheinischcn Gal tag gutgeheißen wurde, wo ein Antrag des .Nrcisleiters I)r. Schmitz (Kö!nj angenommen wurde, daß die religiöse und politische Freiheit der Mitglieder nicht angctastcl wer- - de» dürfe. Namens der Gruppe 3 des Kölner Wandervogels gab Fräulein Kasch der Entrüstung Worte üver die Behandlung der Judensrage auf dem Verbandstag und in der Führerzeitung. Tie weiblichen Wandervögel »vollen den Wahlspruch der politischen und religiösen Neutralität aufrecht erhalten wissen und freuen sich/wenn auch jüdische Mädchen ihnen sich anschließen. j Herr Bendix vom Verband Kölner Turnvereine betonte das Interesse der interkonfessionellen Sportvercitzigungcn an der baldigen Lösung der Judenfrage im Wandervogel, ida sic später aus diesem ihren Nachwuchs erhalten und keine Vergiftung der Jugend im Sinne' des Frankfurter Beschlusses wollen. Herr >H e ß wies darauf hin, dag die jüdischen Jugcndvereinigungen sich nicht abschließcn, sondern die christlichen Freunde gern Ivillkommen heißen. Herr Lutz Rös vom Alt-Wandervogel erklärte, daß auf dessen Generalversanimlung in Neuwied über einen ähnlichen Antrag wie >den in Frankfurt a. C. mir 78 gegen 3 Stimmen zur Tagesordnung übitrgegangen worden sei. Ter Alt-Wandervogel hat auch jüdische Scholarmi. die ihm ebenso lieb sind wie die christlichen. ' ' ' .' Wenig Anklang fand die Ansicht des $m» Weil: Ta die Resolution zu Rocht bestehe, müßten aufrechte Juden so lange dem Wandervogel fernbleiben, bis sie falle, da die Erklärungen der' Ortsgruppen nickt bindend seien.: Demgegenüber neigte chie Versammlung den Vorschlägen der Referenten zu, da das Selbstbewußtsci» nicht brauche übertrieben zu werden.! ' Jn ihrem Schlußwort gelangte Frl.! Berliner zu der erfreut . lichen Feststellung, daß weite.Kreise, die gn der Jugcndargänisation arbeiten, einmütig den Beschluß von Frankfurt a. d. L. verurteilen, der geeignet lvar, die Juden aufs tiefste zu kranken. Bei Anerkennung dieser Sachlage würden die Kölner Wandervögel wohl dafür sorgen, daß deO Beschluß als ihres Verbandes unwürdig auf dem nächsten Verbandstag aufgehoben toerde. Von der Jugend soll jeher Kampf ferngchalten tperden; deshalb ergeht an die christlichen wie! an die jüdischen Eltern die Mahnung, ihre Kinder nur solchen Organisationen anzuücrtrauen, welche die Gewähr bieten, daß sie den Fliehen wollen. Herr F e i l ch e n f e l d schloß die Vershmnrlung mit der Ancrkennung, daß am Rhein der Geist der Duldsamkeit herrscht und namentlich